Sein Gehirn ist eine Rechenmaschine: Henry Cavendish war Autist

Der berühmte britische Chemiker Henry Cavendish hat wahrscheinlich unter dem Asperger Syndrom gelitten, einer speziellen Form von Autismus. Das vermutet der amerikanische Neurologe Oliver Sacks.
Cavendish habe seine "Eigenheiten" trefflich für seine bahnbrechenden Forschungen genutzt, schreibt Sacks im Fachmagazin "Neurology". So berechnete der Chemiker im 18. Jahrhundert unter anderem das Gewicht der Erde, er entdeckte, dass Wasser aus zwei "Gasen" und die Luft aus Stickstoff und Sauerstoff besteht. Der Chemiker sei aber auch für seine Eigenheiten bekannt gewesen, sagt Sacks: "Er arbeitete immer alleine, sprach kaum zu jemandem und seine Bediensteten mussten schriftlich mit ihm verkehren." Auch habe Cavendish selten etwas publiziert und es habe ihn völlig kalt gelassen, wenn andere Forscher Entdeckungen für sich beansprucht hätten, die er schon vor Jahren gemacht hatte.

Bei seiner Argumentation stützt sich Sacks vor allem auf eine Biographie von 1851, die der Mediziner und Chemiker George Wilson verfasst hat. Viele der darin geäußerten Eigenschaften von Cavendish würden genau zum Asperger Syndrom passen, schreibt Sacks: Die Unfähigkeit, die Gefühle anderer zu verstehen, von wenigen Themen völlig besessen zu sein und eine Lust auf Rechenarbeit und auf unkonventionelle und störrisch vertretene Ideen.

In seinem Buch schreibt Wilson bewundernd: "Er liebte nicht, er haßte nicht, er hoffte nicht, er fürchtete sich nicht. Sein Gehirn scheint nichts als eine Rechenmaschine zu sein, seine Augen Einlässe des Sehens und keine Brunnen von Tränen, seine Hände Manipulationsinstrumente, die nie vor Gefühlen erzitterten oder aus Bewunderung, zum Dank oder aus Hoffnungslosigkeit zusammengeschlagen wurden."

Cavendish, der Enkel eines Herzogs, war der reichste Mann in England, schreibt Sacks: "Zu unserem Glück hatte er die Möglichkeiten und die Mittel, um seinen exzentrischen Interessen zu fröhnen."

Das Asperger Syndrom ist eine leichte Form von Autismus, bei der die Sprechfähigkeit meist nicht beeinträchtigt ist.

Marcel Falk


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