Einst verspottete Forschung wird preisgekrönt

Links im Bild: Edward Knipling (1909 bis 2000), rechts: Raymond Bushland (1910 bis1995). Credit: Awardee photos courtesy of World Food Prize Foundation

"Das Sexualleben der Schraubenwurmfliege" – anfangs erntete dieses Forschungsthema Spott, doch dann entwickelte sich daraus eine milliardenschwere Erfolgsgeschichte. Nun werden die Wissenschaftler hinter dem Durchbruch nachträglich mit dem Preis "Die Goldene Gans" geehrt. Aus ihrer Arbeit entwickelte sich die "Sterile-Insekten-Technik". Das Bekämpfungsverfahren befreite Nordamerika von der parasitischen Schraubenwurmfliege und sparte damit Viehzüchtern und Verbrauchern in den letzten 50 Jahren Milliarden von Dollars ein. Nun gilt das Konzept auch als Hoffnungsträger im Kampf gegen die Überträger des Zika-Virus.

Seit 2012 gibt es den Preis der besonderen Art: den "Golden Goose Award". Die goldene Gans ist speziell Forschern gewidmet, deren öffentlich finanzierte Arbeit zunächst schräg oder unnütz wirkte, sich dann aber als gewinnbringend für die Gesellschaft herausgestellt hat. Die American Association for the Advancement of Science (AAAS) und weitere wissenschaftliche Organisationen der USA haben den Preis ins Leben gerufen, um die Bedeutung von Grundlagenforschung hervorheben. Es soll klar werden: Auch wenn ihr konkreter Zweck manchmal unklar erscheint, ist sie wichtig.

Das Sexualleben der Schraubenwurmfliege...

In diesem Sinne werden dieses Jahr die beiden Forscher Edward Knipling (1909 bis 2000)
und Raymond Bushland (1910 bis1995) posthum geehrt. Im Rahmen ihrer Erforschung des "Sexuallebens der Schraubenwurmfliege" entwickelten sie ihre Sterile-Insekten-Technik. Die Idee: Man entlässt massenhaft sterilisierte männliche Insekten, so dass die Eier der Weibchen unbefruchtet bleiben und die Population letztlich zusammenbricht. Dieses Konzept stieß anfangs auch bei Kollegen von Knipling und Bushland auf Skepsis und Spott: "Wie soll man denn die ganzen Fliegen kastrieren", hieß es.

Doch die beiden Forscher fanden eine Möglichkeit und zwar durch radioaktive Bestrahlung: Sie züchteten massenweise männliche Schraubenwurmfliegen und sterilisierten sie auf diese Weise. Anschließend ließen sie diese "Blindgänger" auf die Populationen der Parasiten los, in der Hoffnung, sie würden die zeugungsfähigen Männchen verdrängen. Resultat: Ein durchschlagender Erfolg! Durch die konsequenten Bekämpfungsmaßnahmen mit dieser Methode verschwand die Schraubenwurmfliege seit den 1950er Jahren zunehmend und gilt in den USA seit 1982 als ausgerottet. Der große Vorteil des Verfahrens ist auch, dass keine chemischen Insektenvernichtungsmittel nötig sind und keine anderen Organismen geschädigt werden.

Erfolgsgeschichte mit Zukunftspotenzial

Zuvor verursachte die Schraubenwurmfliege enorme Schäden in der Viehzucht: Die Schmeißfliegen-artigen Insekten legen ihre Eier in die Wunden von Vieh und sogar Menschen. Es bilden sich Maden, die sich ins Fleisch bohren - mit üblem Folgen: In weniger als zwei Wochen können sie eine ausgewachsenen Kuh töten. Die Bekämpfung der Schraubenwurmfliege kostete Viehzüchter in den USA einst Hunderte von Millionen Dollar pro Jahr. Die Arbeit von Knipling und Bushland hat somit in der Zwischenzeit zu Einsparungen in Milliardenhöhe geführt. Die Investition durch die staatliche Forschungsförderung hat sich also eindeutig gelohnt: Sie hatte ursprünglich 250.000 Dollar betragen.

Auch weiterhin kommt die Sterile-Insekten-Technik im Kampf gegen problematische Insekten zum Einsatz, beispielsweise gegen die Tsetsefliege und die Stechmücke Aedes aegypti, die den Zika-Virus überträgt. "Schraubenwurmfliegen-Forschung mag zuerst wie ein Witz geklungen haben, doch am Ende sparte sie der Tierzucht Milliarden und gibt uns heute eine Möglichkeit den Zika-Virus zu bekämpfen", resümiert Jim Cooper, dem die Idee zum Golden Goose Award zu verdanken ist. Die offizielle Ehrung von Knipling und Bushland wird nun am 22. September 2016 im Kongressessgebäude in Washington stattfinden.

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