Herzlichen Glückwunsch, Stephen Hawking!

Bereits kurz nach seinem 21. Geburtstag im Jahr 1963 prophezeiten ihm die Ärzte eine Lebenserwartung von höchstens noch ein paar Jahren. Sie hatten Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) diagnostiziert, eine Erkrankung, bei der nach und nach die muskulären Nervenzellen absterben. Doch Stephen Hawking lebt noch immer. Am 8. Januar feiert der berühmteste Kosmologe der Welt seinen 70. Geburtstag.
Mit jedem Tag stellt Hawking einen neuen medizinischen Rekord auf. Wie und warum er das schafft, ist ein Rätsel. Seine Motivation, das Universum zu erforschen, hat ihm aber sicherlich geholfen. Trotz seines ?Todesurteils? konnte Hawking sein Studium sowie eine Promotion abschließen und Spitzenforschung leisten. 1979 wurde er, längst vollständig gelähmt und an den motorisierten Rollstuhl gefesselt, sogar auf den renommierten Lucasischen Lehrstuhl der University of Cambridge berufen, den vor 300 Jahren Isaac Newton innehatte. ?Dieser Stuhl hat sich offensichtlich stark verändert. Er wird jetzt elektrisch betrieben?, kommentierte Hawking einmal seine Professur.

Seit Oktober 2009 ist Hawking emeritiert. Er war 30 Jahre im Amt, was bei seinem Antritt niemand erwartet hatte. Von Ruhestand kann bei Hawking freilich keine Rede sein. Er hat eine große Familie (drei Kinder und drei Enkel; mit seiner Tochter Lucy schrieb er bereits drei Kinderbücher). Er hält Vorträge, wenn seine Gesundheit es erlaubt. Er nahm 2010 eine Gastprofessur am Perimeter-Institut für Theoretische Physik in Kanada an. Und er engagiert sich für das von ihm begründete Zentrum für Theoretische Kosmologie (Centre for Theoretical Cosmology) an der University of Cambridge.

Feier in Cambridge

Dort findet Hawkings Geburtstag zu Ehren gerade auch ein kleines Symposium statt. Thema: ? The State of the Universe.? Dabei geht es nicht nur um die Welt des Allerkleinsten und Allergrößten, sondern auch um Hawkings berühmte ?Keine-Grenzen-Bedingung?, die ein Vorschlag für den quantenphysikalischen Zustand des Universums ist, gewissermaßen eine kosmische Randbedingung für den Zustand des Universums. Denn neben den Naturgesetzen ist auch eine solche Bedingung notwendig, um das Universum als Ganzes zu erklären ? seine Entstehung, Entwicklung und Zukunft. Hierzu haben Hawking und seine Mitarbeiter wichtige Erkenntnisse gewonnen ? und zusammen mit James Hartle und Thomas Hertog forscht Hawking auch gegenwärtig wieder genau zu diesem Gebiet. Ihre jüngsten Arbeiten zur Erklärung des Urknalls haben weltweit für Aufsehen gesorgt.

Die Vorträge zur Geburtstagsfeier werden live im Internet übertragen. Ab 20. Januar gibt es im Science Museum in London außerdem eine Ausstellung zu Hawkings Leben und Werk (Eintritt frei).

In einem Interview mit dem britischen Wissenschaftsmagazin New Scientist hat Hawking gesagt, die größte Entdeckung in der Physik während seiner Forschungszeit sei der Nachweis der winzigen Temperaturschwankungen in der Kosmischen Hintergrundstrahlung gewesen, dem Restleuchten des Urknalls. Hawking und andere hatten sie bereits 1982 vorausgesagt. Was noch fehlt, wäre ein Nachweis von Gravitationswellen der Kosmischen Inflation am Anfang des Universums. ?Dies wäre Quantengravitation über den Himmel geschrieben?, so Hawking.

Als größte künftige Entdeckung wertet Hawking den Nachweis supersymmetrischer Teilchen, wie sie gegenwärtig am Large Hadron Collider bei Genf gesucht werden. Als seinen eigenen größten wissenschaftlichen Fehler hat Hawking bezeichnet, dass er dachte, Schwarze Löcher würden physikalische Informationen unwiderruflich zerstören. Diese Auffassung hatte er 2004 publikumswirksam revidiert. Kurz und knapp fiel Hawkings Antwort auf die Frage aus, worüber er tagsüber am längsten nachdenkt: ?Frauen. Sie sind ein vollkommenes Rätsel.?

Hawkings Kosmos einfach erklärt

Mit seinem tragischen Schicksal passt Hawking perfekt zum Klischee des im regungslosen Körper gefangenen genialen Geistes, der alle Grenzen zu sprengen trachtet ? zumindest die Grenzen der Erkenntnis. Denn seine Forschungen handeln von den abstraktesten, entlegensten und kompliziertesten Themen: Schwarzen Löchern, Urknall, Zeitreisen, Quantenphysik und der Suche nach einer Weltformel, die alle Teilchen und Kräfte erklärt.

Rüdiger Vaas, Astronomie- und Physik-Redakteur von bild der wissenschaft, hat in seinem neuen Buch Hawkings Kosmos einfach erklärt ? Vom Urknall zu den Schwarzen Löchern das Leben und Werk des genialen Kosmologen ausführlich gewürdigt und vor dem Hintergrund der modernen Kosmologie dargestellt. Dabei stehen vier Hauptthemen im Fokus:

Die Weltformel: Ohne eine neue Physik, die Relativitäts- und Quantentheorie vereint, wird man das All niemals richtig verstehen können. Hawking und seine Kollegen haben nun aufregende Ideen entwickelt, die bereits überprüft werden.

Der Urknall: Hier brechen die Naturgesetze zusammen, wie Hawking bewies. Doch er fand einen Ausweg: Vor dem Urknall könnte ein fremdes Universum mit umgekehrter Zeitrichtung kollabiert sein.

Die Zeit: Hawking hat seinen größten Fehler" korrigiert. In ferner Zukunft wird die Zeit nicht rückwärts laufen. Und seine Vermutung zum Schutz der Zeitordnung" verbietet grässliche Zeitparadoxien.

Schwarze Löcher: Aus den unersättlichen Schwerkraftschlünden entweicht nicht einmal Licht. Dennoch können sie explodieren, hat Hawking entdeckt - und eine spektakuläre Wette verloren gegeben: Schwarze Löcher spucken Informationen doch wieder aus.

Außerdem verrät dieses Buch, wie Hawking über Gott und die Welt, Wissenschaft und Wahrheit denkt - und warum sogar der Mensch in der neuen Kosmologie eine wichtige Rolle spielt.
© wissenschaft.de


Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Was kommt dabei heraus, wenn sich Alice nicht ins Wunderland verirrt, sondern in eine Vorlesung über Quantenphysik? Eine Reise als intellektueller und ästhetischer Genuss.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe