Wie sich Autismus verrät

Im Speichel von autistischen Kindern haben italienische Forscher ungewöhnliche Proteinformen gefunden: Sie haben eine leicht modifizierte Bauform, die sich in der Zahl der angehängten Phosphatgruppen von den Proteinen gesunder Kinder unterscheidet, berichten die Mediziner um Massimo Castagnola von der Università Cattolica in Rom. Sie hoffen damit einen Speicheltest entwickeln zu können, mit dem sich Autismus und ähnliche Erkrankungen bei Kindern leicht und schnell nachweisen lassen. Außerdem könnten Wissenschaftler die Stoffwechselvorgänge zurückverfolgen, die zu den falschen Bauformen führen. Dadurch ließen sich Rückschlüsse auf die molekularen und genetischen Ursachen dieser Krankheitsbilder ziehen, bei denen Kindern die emotionale Kontaktaufnahme mit der Umwelt verwehrt ist.
Die Forscher untersuchten Speichelproben von 27 ein- bis neunjährigen Kindern, die an Autismus und ähnlichen zum Autismusspektrum zählenden Krankheiten wie dem Asperger-Syndrom litten. Diese Proben verglichen sie mit dem Speichel gleichaltriger gesunder Kinder. Mit chemischen und physikalischen Analysemethoden trennten sie dabei den Eiweißanteil der Speichelflüssigkeit in rund 120 Bestandteile auf. Vier Proteine zeigten charakteristische Abweichungen: Bei 19 Kindern aus dem Autismusspektrum war mindestens eines dieser vier Proteine verändert.

Normalerweise werden Proteine durch einen Phosphorylierung genannten Prozess jeweils in eine aktive oder passive Form gebracht: Bei der Produktion hängen Enzyme chemische Schalter, sogenannte Phosphatgruppen, an das Proteinmolekül. Dies bestimmt den Aktivitätsgrad der Eiweiße. Bei den 19 Kindern war diese Phosphorylierung jedoch offenbar unterdrückt: Die Proteine hatten weniger Phosphatanhängsel und waren damit in ihrer Funktion modifiziert.

Die Forscher glauben, dass dieselben Stoffwechselprozesse, die Speichelproteine modifizieren, vielleicht auch andere Proteine im Körper verändern ? etwa an Schlüsselstellen des zentralen Nervensystems. Mediziner sollten ihrer Ansicht nach diese Spur weiterverfolgen, um die molekularen Mechanismen hinter den Erkrankungen des Autismusspektrums besser zu verstehen. Wie Autismus entsteht, ist noch vollkommen unklar. Mediziner favorisieren allerdings genetische Ursachen.



Massimo Castagnola (Università Cattolica, Rom) et al.: Journal of Proteome Research, Bd. 7, S. 5327

ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer


Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Ein bisschen mehr Fett auf den Rippen macht widerstandsfähig. Und eine Mischkost ist die gesündeste Ernährung. Einfache Wahrheiten, die der Professor für Ernährungswissenschaft Hans Konrad Biesalski in seinem Buch überzeugend vertritt.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe