Walforschung braucht keinen Walfang

Die Schwanzflosse eines Pottwals (Foto: mkarco/iStock)

Immer wieder betonen japanische Walfänger: Die Jagd auf die Meeresgiganten käme allein der Forschung zugute. Und nur deshalb – aus wissenschaftlichen Gründen – dürfen japanische Fischereiboote auf Waljagd gehen. Doch schon 2014 hatte der Internationale Gerichtshof in Den Haag Japans Walfang verurteilt – wegen fehlender Wissenschaftlichkeit. Die asiatischen Fischer beeindruckte das wenig. Im Jahr darauf entsandte Japan wieder seine Fangflotte in die Antarktis. Doch auf der Konferenz der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) in Slowenien haben die Delegierten nun die laxen Regelungen zum wissenschaftlichen Walfang verschärft. Zudem: Forscher haben längst Methoden entwickelt, die Meeressäuger ohne Tötung zu erkunden.

Japan schickt regelmäßig Fangflotten in antarktische Gewässer, um dort Zwergwale für "wissenschaftliche Zwecke" zu töten – entgegen weltweiter Proteste und einem Gerichtsurteil aus dem Jahr 2014. Doch die bisher wenig strengen Regularien der IWC boten genug Schlupflöcher, um weiter auf Waljagd zu gehen. Eine Resolution auf Antrag Australiens und Neuseelands sollte dies bei der diesjährigen Walfangkonferenz im slowenischen Portorož endlich beenden. Die Resolution zielte darauf ab, dem IWC-Plenum mehr Kontrollmöglichkeiten über jegliche "Forschungsprogramme" zu geben und nicht Japan allein die Entscheidung zu überlassen. Denn bisher definiert das Land im Prinzip selbst, was an seinem Walfang wissenschaftlich ist.

Die Abstimmung über die Resolution erreichte nun einen Teilerfolg: Es gab 34 Ja-Stimmen, 17 Nein-Stimmen und zehn Enthaltungen. Damit ist zwar kein Konsens erreicht und die Resolution ist auch nicht bindend. Dennoch wird es eine Verschärfung des Prüfverfahrens geben. So soll künftig eine neue Arbeitsgruppe des IWC eingerichtet werden, die alle als wissenschaftlich deklarierten Walfangprogramme ausgiebig prüft und bewertet. Gleichzeitig soll mehr Zeit für die Prüfung vorgesehen werden. Japan darf an der Arbeitsgruppe nur als Beobachter teilnehmen.

Forschung ohne Fang

Zudem haben Wissenschaftler längst Methoden entwickelt, mit denen Wale schonend erforscht werden können. Beispielsweise nutzen Meeresbiologen Sonarbojen, um die Laute der Wale zu empfangen und so die Tiere zu lokalisieren. Dafür setzen die Forscher auch Spürhunde ein – die speziell ausgebildeten Vierbeiner können den Kot von Walen erschnüffeln und die Forscher so auf die richtige Fährte führen. Über die neuen Methoden zur Walforschung berichtet bdw-Autor Jan Berndorff in der November-Ausgabe 2016 von "bild der wissenschaft". Darin beschreibt er auch, wie man den Meeressäugern Gewebeproben entnehmen kann, ohne die Tiere einzufangen.

Auf der IWC-Konferenz gab es auch deutliche Kritik an Norwegen und Island. Beide Länder jagen bis heute regelmäßig Tausende von Finn- und Zwergwalen, Norwegen hat zudem das internationale Moratorium aus dem Jahr 1986 gegen kommerziellen Walfang nie anerkannt. Bei der Konferenz legten die Organisationen Pro Wildlife, OceanCare und Animal Welfare Institute einen Bericht vor, der zeigt, wie sich Norwegen inzwischen zum weltgrößten Walfänger entwickelt hat. Norwegen und Island wickeln demnach ihre eskalierenden Walfleischexporte sogar über EU-Häfen ab.

Walschutzgebiet im Südatlantik

Auf der IWC-Konferenz stellten mehrere Länder den Antrag, ein neues Walschutzgebiet im Südatlantik auszuweisen. Bisher existieren weltweit nur zwei derartige Schutzgebiete für Meeressäuger: eines rund um die Antarktis und eines im Indischen Ozean. Anträge für weitere Schutzgebiete im Südpazifik und Südatlantik sind dagegen schon mehrfach bei den IWC-Konferenzen gescheitert. So auch diesmal: Die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit wurde nicht erreicht, so die IWC.

Anderswo gab es aber einen Erfolg: Auf ihrer zurzeit im australischen Hobart stattfindenden Konferenz einigten sich heute die Mitgliedsstaaten der internationalen Kommission zur Erhaltung lebender Meeresressourcen (CCAMLR) darauf, ein neues Meeresschutzgebiet im antarktischen Rossmeer einzurichten. Das gut 1,5 Millionen Quadratkilometer große Meeresgebiet ist für die nächsten 35 Jahre damit die größte geschützte Meeresfläche der Welt.

Quellen: IWC, Pro Wildlife, WWF

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