Top Ten der jüngst entdeckten Arten

Die Gryffindor-Spinne führt die Parade an. (Foto: Sumukha J. N.)
Die Top Ten der diesjährigen Botschafter der Artenvielfalt. (Foto: Sumukha, Peter Kirk, Kevin Rowe, Georg Fischer, M. Kolanowska, Siriwut, Edgecombe and Panha)

Eine Spinne mit "Hexen-Hut", eine "teuflische" Orchidee, eine bizarre "Game of Thrones"-Ameise... Im letzten Jahr hat sich erneut gezeigt: Es gibt noch viele faszinierende Wesen auf unserem Planeten zu entdecken. Stellvertretend für die rund 18.000 im Jahr 2016 entdeckten Tier- und Pflanzenarten hat ein internationales Komitee nun die alljährliche Top Ten präsentiert.

Von den Meerestiefen bis zu den Bergregionen hat die Evolution eine gigantische Vielfalt an Lebensformen hervorgebracht, die sich mit raffinierten Strategien an ihre jeweiligen Herausforderungen angepasst haben. Eine dieser Millionen von Arten hat Intelligenz zu ihrem Erfolgsrezept gemacht und blickt nun neugierig auf die Vielfalt der Natur: Der Mensch versucht den Artenreichtum zu erfassen. Dabei gibt es noch einiges zu tun: Schätzungen zufolge warten noch etwa zehn Millionen Arten auf ihre Entdeckung. Doch leider ist Eile angesagt: Durch die Zerstörung von Lebensräumen, Eingriffe in die Umwelt, direkte Ausrottung und vor allem durch die Effekte des Klimawandels verschwinden Arten, bevor sie überhaupt erfasst werden konnten.

Um dieses Problem in den Fokus zu rücken, kürt ein Komitee des International Institute for Species Exploration (IISE) in Tempe seit 2008 alljährlich eine Top Ten der spannendsten und außergewöhnlichsten entdeckten Arten. "Die Aussterbensrate ist momentan 1000 Mal schneller als vor dem verehrenden Einfluss des Menschen", sagt Quentin Wheeler, Präsident des IISE. "Wir riskieren, Millionen von Arten gleichsam zu verpassen", so der Wissenschaftler. Bei den zehn diesjährigen Botschaftern der Artenvielfalt handelt es sich erneut um ein ausgesprochen buntes Bouquet von spannenden Wesen.

Gryffindor-Spinne und Tarn-Freak

Angeführt wird die Parade von der Spinne Eriovixia gryffindori aus Indien. Benannt wurde die nur etwa zwei Millimeter lange Krabblerin nach dem sprechenden Hut der Harry-Potter-Geschichten. Ihre skurrile Gestalt ist ein Tarnverfahren: Als wandelnder Hexen-Hut verschwimmt sie mit dem Hintergrund in ihrem Lebensraum. Bisher wurde nur ein einziges Exemplar der Gryffindor-Spinne entdeckt.

Bunt und bizarr geht es weiter mit der Heuschrecke Eulophophyllum kirki. Diese Art hat ihr Aussehen perfekt angepasst, um mit der Kulisse in ihrem Lebensraum eins zu werden. Der Fotograf Peter Kirk hat das rund 40 Millimeter große Insekt in Malaysia fotografiert. Nach ihm wurde die Art benannt.

Sulawesi-Ratte und viele Füßchen

Auch ein neuer Vertreter der Nagetiere hat es unter die Top Ten geschafft: Im Gegensatz zu ihren fleischfressenden Verwandten ist die in Indonesien entdeckte Ratte Gracilimus radix ein Allesfresser und nagt besonders gern an Wurzeln – daher der Beiname radix. Seit 202 wurden auf der indonesischen Insel Sulawesi bereits sieben neue Nagetierarten entdeckt. Offenbar wuseln dort noch einige Unbekannte durch den Wald.

Auf mehr als 400 Beinchen kommt der nächste Star der Zehner-Parade daher: Der Tausendfüßer Illacme tobini. Biologen haben den rund zwei Zentimeter langen Krabbler im Sequoia Nationalpark an der US-Westküste entdeckt. Er besitzt nur verkümmerte Mundwerkzeuge und scheint nur flüssige Nahrung aufnehmen zu können.

Fantasy-Ameise und "königlicher" Rochen

Ebenfalls nach einem Wesen aus dem Bereich Fantasy wurde eine bizarre Ameisenart aus Papua-Neuguinea benannt: Pheidole drogon. Die Inspiration für den Artnamen lieferte der Drache Drogon der Fantasy-Serie "Game of Thrones". Ähnlich wie dieser besitzt Pheidole drogon martialisch anmutenden Stacheln auf dem Rücken. Diese dienen allerdings offenbar nicht allein dem Schutz. Im vermeintlichen Stachelpanzer befinden sich Muskelfasern, die wohl den Kopf stützen.

Unter den neuen Arten sind durchaus nicht nur Winzlinge - das verdeutlicht ein "königlicher" Vertreter unter den Top Ten: Der bis zu 20 Kilogramm schwere Stachelrochen Potamotrygon rex. Er stöbert im brasilianischen Tocantina-Fluss nach Nahrung.

Überraschender Taucher und blutende Tomate

Ein neuentdeckter Hundertfüßer aus Südostasien fasziniert hingegen mit einer ungewöhnlichen Fluchtstrategie: Der rund 20 Zentimeter große Scolopendra cataracta ist der einzige bekannte Hundertfüßer mit Tauch- und Schwimmfähigkeiten. Der pechschwarze Gliederfüßer kann sich auch unter Wasser erstaunlich schnell fortbewegen.

In West-Australien haben Biologen eine Art Buschtomate entdeckt: Solanum ossicruentum bildet rund zwei Zentimeter kleine Früchte, die von einer Stachelhülle umgeben sind. Wenn man sie anschneidet, verändert sich das Fleisch von weiß-grün zu blutrot.

Teuflisches Blüten-Gesicht und ein komischer Sack

Weiter geht es mit einer skurrilen Orchideenart aus den Bergen Kolumbiens: Spitze Ohren, kleine Hörner und ein aufgerissener Mund – ihre Blüten sehen in der Mitte aus wie der Kopf eines purpurnen Teufelchens. Entsprechend benannten die Entdecker das "teuflische" Gewächs: Telipogon diabolicus. Die Art ist nur von einer ökologisch sehr anfälligen Stelle bekannt, die derzeit durch den Bau einer Straße bedroht ist.

Nummer zehn der Top Ten bildet schließlich ein seltsamer "Sack": Der vor der Küste Mexikos entdeckte Meereswurm Xenoturbella churro. Der rund zehn Zentimeter lange Wurm hat weder Mund noch After, kann sich aber dennoch von harter Beute wie beispielsweise Muscheln ernähren.

Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Eine kurzweilige Führung durch den Bienenstock mit einer erhellenden Dosis Wissenschaft – das bietet das Buch "Die Honigfabrik" von Jürgen Tautz.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe