Wer ist schmerzempfindlicher, Mann oder Frau?

Schmerz hat eine wichtige Warnfunktion.(Foto: roberthyrons/iStock)

"Aua, aua..." Männer sind eigentlich schmerzempfindlicher als Frauen, wird manchmal behauptet. Angeblich könnten sie etwa den Schmerz einer Geburt gar nicht überstehen. Doch was ist dran an dieser Annahme? Wer ist tatsächlich schmerzempfindlicher, Männer oder Frauen - und warum? Auf dieses Thema hat uns Ferdinand B. aufmerksam gemacht. Vielen Dank dafür.

"Es sind eindeutig die Frauen", sagt Johannes Wagner von der Schlossklinik Abtsee in Laufen. Natürlich gibt es bei der Schmerzempfindlichkeit eine enorme Bandbreite. Aber viele Studien haben gezeigt, dass Frauen Schmerzen im Durchschnitt intensiver wahrnehmen als Männer. Der Unterschied hat etwas mit den männlichen und weiblichen Geschlechtshormonen zu tun: Testosteron senkt das Schmerzempfinden, das weibliche Östrogen steigert es dagegen. "Das Klischee vom harten, testosteron-betonten Macho hat einen wahren Kern: Er spürt einfach weniger Schmerz", sagt der Endokrinologe.

Deutlich wird dieser Zusammenhang bei Geschlechtsumwandlungen: Männer, die weibliche Hormone bekommen, entwickeln sehr häufig chronische Schmerzen. Frauen, die sich für eine Geschlechtsumwandlung entschieden haben, berichten über das Gegenteil: Während der dafür notwendigen Testosteronbehandlung bessern sich bestehende Schmerzen deutlich. Testosteron führt also beim Mann nicht nur zu einem robusteren Körperbau, es macht auch unempfindlicher gegen Schmerz.

Ausnahmesituation Geburt

Bei der Geburt hilft ein zusätzlicher Mechanismus den Frauen, Schmerzen besser zu ertragen: "Das läuft nicht über Hormone, sondern über Endorphine", sagt Wagner. Bei der enormen Belastung durch eine Geburt setzt der Körper diese schmerzstillenden Substanzen frei und senkt dadurch die Empfindsamkeit gegenüber den Schmerzen.

Über den Sinn der unterschiedlichen Schmerzschwellen von Mann und Frau lässt sich letztlich nur spekulieren. Klar ist, dass Schmerz eine Schutzfunktion erfüllt: Er kann verhindern, dass sich Menschen in Gefahr bringen oder macht auf Risiken wie beispielsweise Wunden aufmerksam. Bei Frauen und Männern ist dieses System offenbar leicht unterschiedlich reguliert. "In der Entwicklungsgeschichte des Menschen brachten die verschiedenen Eigenschaften der Geschlechter einfach Vorteile im Kampf ums Überleben", resümiert Wagner.

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