Das geheime Unterwasser-Leben der Pinguine

Ein Eselspinguin mit einem "Spionage-Paket" auf dem Kopf. (Foto:Won Young Lee)

Pinguine sind gesellig: Vor allem zur Brutzeit bilden die Vögel große Kolonien an den Küsten des Südpolarmeeres. Ihr vielstimmmiges Rufen ist dabei oft weithin zu hören. Aber wie verhalten sich die Pinguine, wenn sie im Ozean nach Nahrung tauchen? Um das herauszufinden, haben Biologen Eselspinguine mit Miniatur-Videokameras ausgerüstet und sie damit unter Wasser gefilmt und belauscht. Die Aufnahmen enthüllen: Auch beim Schwimmen und Tauchen kommunizieren die Pinguine miteinander – wenngleich die genaue Funktion dieser Rufe unklar bleibt.

Eselspinguine (Pygoscelis papua) sind ziemlich mitteilungsfreudig: Während der Paarungszeit lassen die bis zu 90 Zentimeter großen Vögel fast ständig ihre lauten, trompetenartigen Balzrufe ertönen. Weil dieses schallende, mehrsilbige "Aha-aha-aha-aha" ein wenig an das "Iah" eines Esels erinnert, verdanken sie ihm sogar ihren deutschen Namen. Doch diese "Eselsrufe" bilden nur einen Teil ihres Repertoires. Gibt es Streit mit Nachbarn in der Kolonie, stoßen die Vögel eher zischende und grunzende Drohlaute aus, Bekannte werden mit kurzen Kontaktrufen begrüßt und die Küken piepen, während sie ihre Eltern um Futter anbetteln. Diese Kommunikation zu belauschen, ist für Biologen nicht schwer, solange die Pinguine sich an Land aufhalten. Sogar als Pinguinküken getarnte Videoroboter haben sie schon mitten in Kolonien der Vögel geschickt.

Mit "Spionage-Paket" auf Tauchgang

Anders ist dies jedoch, wenn die Pinguine ins Meer abtauchen. "Viele Pinguinarten machen sich in Gruppen auf die Futtersuche", berichten Noori Choi vom koreanischen Polarforschungsinstitut in Incheon und ihre Kollegen. Eselpinguine fangen bei ihren gemeinsamen Tauchgängen vor allem Krill und kleine Fische. Dabei taucht meist eine ganze Gruppe der Vögel synchron unter und wieder auf. Welche Vorteile dieses Gruppenfischen den Pinguinen bringt, aber auch, ob und wie sie dabei miteinander kommunizieren, war bisher unklar. Der offene Ozean machte es kaum möglich, die Pinguine unbemerkt zu filmen und zu belauschen, wie Forscher erklären. Sie haben deshalb zu einem Trick gegriffen: Sie rüsteten 26 Eselspinguine einer Kolonie auf dem antarktischen King George Island mit Miniatur-Videokameras sowie Sensoren für die Beschleunigung und Wassertiefe aus. Dieses "Spionage-Paket" befestigten die Forscher mit wasserfestem Klebeband auf Kopf und Rücken der Pinguine. Begaben sich die Vögel nun auf Tauchgang, zeichneten Kameras und Mikrophone jeweils acht Stunden lang ihr Verhalten auf und die Sensoren verrieten Tauchtiefe und Dauer.

Erstmals gelang es Choi und ihren Kollegen damit, die Kommunikation der Eselspinguine bei ihren Futtersuch-Tauchgängen zu belauschen. Die Aufnahmen enthüllten, dass rund die Hälfte der Vögel auch während des Tauchens Rufe ausstieß. Dabei handelte es sich meist um ein bis zwei kurze, direkt hintereinander ausgestoßene Laute. "Verglichen mit den mehrsilbigen Paarungsrufen der Eselspinguine hatten diese Offshore-Rufe eine einfachere Struktur und waren deutlich kürzer", berichten die Biologen. Meist dauerte ein solcher Ruf weniger als drei Sekunden. Damit ähnelten die Offshore-Rufe eher den Kontaktlauten der Pinguine an Land als ihren längeren Paarungsrufen.

Auch Offshore wird gerufen – aber warum?

Dank der Videokameras konnten die Forscher auch beobachten, in welcher Situation die Pinguine riefen und welches Verhalten darauf folgte: Typischerweise stieß ein einzelnes Tier der Gruppe einen solchen Offshore-Ruf aus, ohne dass ihm benachbarte Artgenossen jedoch darauf antworteten. Stattdessen schien der Ruf dafür zu sorgen, dass sich die Gruppe neu formierte und die Vögel danach alle in eine Richtung schwammen, wie die Forscher feststellten. "Das spricht dafür, dass die Offshore-Rufe weniger der Verständigung der Tiere in einer bereits gebildeten Gruppe dienen, sondern eher als Signal zur Gruppenbildung", vermuten Choi und ihre Kollegen. Ein solcher Offshore-Ruf führte meist innerhalb von einer Minute dazu, dass die Gruppe gemeinsam an eine andere Stelle im Meer schwamm.

Welche Vorteile diese Gruppenbildung "auf Kommando" beim Tauchen hat, konnten die Biologen mit ihren Kameras und Sensoren aber nur teilweise klären. Immerhin scheinen ihre Beobachtungen eine der beiden gängigen Hypothesen zum Gruppentauchen eher zu entkräften. Denn wie sie feststellten, findet die gemeinsame Nahrungssuche nicht in unmittelbarer Küstennähe statt, sondern eher weiter draußen im offenen Ozean. Das spreche dagegen, dass die Pinguine in der Gruppe Schutz gegen Fressfeinde suchen: "Angriffe von Prädatoren ereignen sich normalerweise vor allem in Küstennähe", erklären Choi und ihre Kollegen. Andererseits schienen die Rufe auch nicht zu bedeuten: "Dahin, dort gibt es Futter!". Denn die Nahrungsausbeute der Pinguine war bei Tauchgängen mit und ohne solche vorherigen Rufe ziemlich gleich. Und auch beim Beutefangen selbst schienen die Vögel ihr Verhalten nicht weiter zu koordinieren: "Zwar fingen die Gruppenmitglieder ihre Nahrung im gleichen Beuteschwarm, aber wir haben dabei keine klaren Hinweise auf ein aktives gemeinsames Jagen gefunden", berichten die Biologen.

Damit haben ihre "Spionage-Pakete" zwar endlich geklärt, dass die Eselspinguine auch unter Wasser miteinander kommunizieren. Aber welchem Zweck dies dient, ist bisher nicht eindeutig klar. "Möglicherweise könnten Playback-Experimente an den Futtersuchstellen mehr Einblicke in die Funktion der Offshore-Rufe bringen", schlagen die Wissenschaftler weitere Schritte vor. "Auch das Ausrüsten von mehreren Pinguinen aus der gleichen Tauchgruppe mit den Videokameras könnte dazu beitragen, mehr über ihre Interaktionen beim Tauchen zu erfahren."

Aufnahmen der "Huckepack"-Videokamera eines Eselspinguins beim Tauchen (Video: Credit: Choi et al; Scientific Reports)

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