Vogel-Gezwitscher ähnelt menschlicher Sprache

Der Rotscheitelsäbler kann neue
Der Rotscheitelsäbler kann neue "Wörter" aus denselben Lauten bilden. (Foto: Lucy Browning)

Leiter, heiter und gescheiter – wenige Lautverschiebungen genügen und es ergibt sich ein neues Wort mit eigener Bedeutung. Leichte Veränderungen in der Lautabfolge können aber auch völlig unverständliche Wörter produzieren. Von einem "Meiter" oder "Geiter" hat bislang noch niemand etwas gehört, und kaum einer wird diesen Wörtern eine Bedeutung abgewinnen. Aus einzelnen Phonemen sinnvolle Wörter zu bilden, das gilt als ein Alleinstellungsmerkmal der menschlichen Sprache. Bislang - denn Verhaltensforscher haben diese Kombinationsfähigkeit nun auch beim Rotscheitelsäbler im australischen Outback entdeckt. Das liefert den Forschern auch Hinweise auf die Entwicklungsgeschichte der menschlichen Sprache.

Rotscheitelsäbler (Pomatostomus ruficeps) sind gesellige Vögel: Mehr als 20 Tiere teilen sich mitunter ein gemeinsames, großes Nest in einer der trockensten Region Australiens. Innerhalb der Gemeinschaft verständigen sich die Tiere mit verschiedenen Rufen. Nicht weniger als 15 davon konnten Evolutionsbiologen der Universitäten Zürich und Exeter bisher beim Rotscheitelsäbler unterscheiden. Denn anders als viele Vögel singen diese nicht, sondern stoßen Rufe aus, die aus getrennten Lauten bestehen.

Dabei fiel den Forschern auf, dass sich einige der Rufe ähnelten. Sie setzen sich aus denselben Lauten in unterschiedlicher Reihenfolge zusammen. Eines dieser Ruf-Paare sahen sich die Wissenschaftler genauer an: den Flugruf, der ertönt, wenn die Vögel das Nest verlassen und umherfliegen, und den Aufforderungsruf, den sie von sich geben, wenn es an die Brutpflege geht. Beide Rufe bestehen aus zwei verschiedenen Lauten, "A" und "B", allerdings in unterschiedlicher Abfolge - der Flugruf lautet "AB" und der Aufforderungsruf "BAB".

Die Kombination macht das Wort

Um herauszufinden, ob die Tiere unabhängig von der Bedeutung ihrer Rufe, sinnvolle Nachrichten aus denselben Lauten kombinieren können, zeichneten die Forscher zunächst die Rufe in der Wildnis auf – und spielten sie anschließend in einer Voliere mit 16 Tieren ab. Das Resultat: Die Rotscheitelsäbler reagierten ganz so wie in der Wildnis. Hörten sie einen "AB"-Flugruf suchten sie den Himmel nach Artgenossen ab und ließen die Nester außer Acht, erklang dagegen der "BAB"-Aufforderungsruf, kümmerten sie sich mehr um den Nachwuchs im Nest.

In einem weiteren Versuch nahmen die Forscher die beiden Lautekombinationen auseinander und tauschten die Elemente zwischen den beiden Rufen aus. Auf diese Weise kreierten sie aus den Lauten des Flugrufs einen Aufforderungsruf und umgekehrt. Auch dann erkannten die Vögel die verschiedenen Rufe und reagierten entsprechend. Daraus folgerten die Wissenschaftler, dass die Vögel Laute, die für sich genommen bedeutungslos sind, neu arrangieren können, um dann unterschiedliche Botschaften zu trällern. "Auch wenn die beiden Vogelrufe strukturell sehr ähnlich sind, werden sie in total unterschiedlichen Verhaltenszusammenhängen produziert und zuhörende Vögel können sie unterscheiden", erklärt Evolutionsbiologe Simon Townsend von der Universität Zürich die Zusammenhänge.

Recyceln ist einfacher 

Damit kann die Forschergruppe nicht nur ein Phonem-System bei Tieren nachweisen, sondern kommt auch der Entstehungsgeschichte der menschlichen Sprache auf die Spur. "Wir denken, dass das Kombinieren von zwei vorhandenen Lauten schneller ist als die Entwicklung eines neuen Lauts, und die Rotscheitelsäbler deshalb die Laute neu ordnen", ergänzt Andy Russell von der Universität Exeter. Demnach vergrößerte der Mensch seinen Sprachschatz nicht dadurch, dass er dauerhaft neue Laute entwickelte, sondern indem er bekannte Phoneme neu kombinierte und so neue Wörter mit eigener Bedeutung differenzieren konnte. Weitere Versuche sollen diese These nun erhärten, so die Forscher.

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