Warum bekommt der Specht keine Gehirnerschütterung?

 Auf der Suche nach Futter hackt sich ein Specht in die Baumrinde. (Foto: MikeLane_45/iStock)
Auf der Suche nach Futter hackt sich ein Specht in die Baumrinde. (Foto: MikeLane_45/iStock)
Wenn der Mensch mit dem Kopf auf eine harte Oberfläche schlägt, drohen ihm Kopfschmerzen, im schlimmsten Fall sogar eine Gehirnerschütterung. Dem Specht macht das nichts aus. Obwohl er ständig mit seinem Schnabel auf Baumstämmen herumhämmert. Warum halten Kopf und Hirn von Spechten eigentlich den enormen Belastungen stand?

Julian Heiermann vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) erklärt wie es geht: "Der Körperbau der Spechte besitzt gleich eine Reihe von Anpassungen, die ihnen das Hämmern ermöglichen". Forscher haben das in verschiedenen Studien gezeigt, sagt der Biologe. Demnach sei die spezielle Kopfanatomie eines der Geheimnisse des Spechts. Heiermann: Das Gehirn liegt nicht direkt hinter dem Schnabel, sondern oberhalb, so dass die Wucht des Schlages nicht direkt das Gehirn trifft.

"Spechte besitzen quasi Stoßdämpfer", sagt Heiermann. Biegsame Knochengelenke und kräftige Schnabelmuskeln federn die Wucht des Aufschlags ab. Wie bei einem Boxer, der einen Schlag erwartet, werden die Muskeln kurz vor dem Aufprall angespannt und absorbieren so einen Großteil der Energie. Kurz vor dem Auftreffen schließt der Specht seine Augenlider, damit ihm die Wucht nicht die Augen aus den Augenhöhlen drückt. Außerdem ist das Spechthirn von weniger Gehirnflüssigkeit umgeben als das des Menschen. Wenn wir mit dem Kopf aufschlagen, prallt unser Gehirn von innen gegen die Schädeldecke, dadurch entsteht eine Gehirnerschütterung. Beim Specht hat das Gehirn durch die reduzierte Umgebungsflüssigkeit dagegen weniger Bewegungsspielraum.

"All diese Anpassungen sind nötig", betont Heiermann. Untersuchungen zufolge schlagen Spechte ihren Schnabel wie einen Presslufthammer bis zu 20 Mal pro Sekunde auf das harte Holz. Die Frontalkollision erfolgt dabei mit etwa 25 Kilometern pro Stunde. "Das charakteristische Trommeln ist beim Specht der Ersatz für Gesang", erklärt Heiermann. In der Balz hämmert ein Specht bis zu 12.000 Mal am Tag auf möglichst resonanzfähiges Holz ein. "Manchmal muss dazu aber auch das Fallrohr der Dachrinne herhalten", weiß der Biologe. Der Specht nutzt seinen Schnabel auch bei der Nahrungssuche und um seine Nisthöhle in einen Baumstamm zu zimmern. Die Evolution hat dafür gesorgt, dass ihm auch nach einem "hammermäßigen" Tag nicht der Kopf dröhnt.

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