Das Hemd war Zeuge

Fingerabdrücke könnten bald auch auf Stoffen sichtbar gemacht werden. Bisher galt das als ein nahezu aussichtloses Unterfangen, weil Stoff als Unterlage sehr weich ist und so den Fingern nur wenig Widerstand für einen Abdruck entgegensetzt. Doch britische Forscher haben jetzt in Zusammenarbeit mit der schottischen Polizei ein vielversprechendes Verfahren vorgestellt, mit dem es möglich ist, die Abdrücke auf Stoff zu identifizieren und Forensikern ihre Aufklärungsarbeit beim Ermitteln möglicher Täter zu erleichtern. Das Team um Joanna Fraser von der University of Abertay Dundee bedient sich dazu der sogenannten Vakuum-Metallisierung, bei der hauchfeine Metallschichten auf die Oberfläche eines potenziellen Beweisstückes aufgebracht werden. Dieses Verfahren wird bereits seit längerem dazu benutzt, Fingerabdrücke auf sehr glatten Oberflächen wie Kunststoff oder Glas nachzuweisen. Noch nie wurde jedoch getestet, ob es auch bei Stoff funktioniert, berichtet die Universität im schottischen Dundee.
Die Wissenschaftler testeten die Vakuum-Metallisierung an Fingerabdrücken auf Stoffen aus Nylon, Polyester, Baumwolle und Baumwoll-Polyester-Mischgewebe. Die Stoffe wurden zunächst in eine Vakuumkammer gelegt. Dann erhitzten die Forscher Gold, bis es verdampfte und sich als feiner Film auf den Geweben verteilte. Im nächsten Schritt wurde Zink erhitzt. Dieses lagerte sich auf der Goldschicht ab ? allerdings nur an den Stellen, an denen sich keine Überreste von Fingerabdrücken befanden. Wo also ein Kontakt stattgefunden hatte, war der Stoff zu sehen, die Bereiche ohne Fingerabdrücke waren dagegen mit einer grauen Metallschicht überzogen. "Man muss sich die Methode wie ein Negativ bei einer Fotografie vorstellen, wo die Farben in ihren Gegensatz verkehrt werden", erklärt Fraser und fügt hinzu: "Es ist uns tatsächlich gelungen, zu beweisen, dass Fingerabdrücke auch auf Stoffen nachgewiesen werden können." Am besten funktionierte dieser Nachweis dabei auf Stoffen, die sehr dicht gewebt waren.

Allerdings räumen die Wissenschaftler ein, dass ihre Forschung noch in einem sehr frühen Stadium steckt und noch einiges an Arbeit getan werden muss. Denn die Erfolgsrate bei der Identifikation vollständiger Fingerabdrücke, die eindeutig bestimmten Personen zugewiesen werden können, ist noch relativ gering. Häufiger gelang es, ganze Handabdrücke auf den Stoffen sichtbar zu machen, was bei der Aufklärung von Verbrechen ebenfalls sehr hilfreich sein kann. So kann der Handabdruck auf der Rückseite eines Hemds zum Beispiel Aufschluss darüber geben, ob jemand von einem Balkon gestoßen wurde oder nicht. Außerdem ist es möglich, nach der Entdeckung eines Handabdrucks gezielt nach DNA-Spuren zu suchen, die der potenzielle Täter beim Zupacken hinterlassen haben könnte.
Joanna Fraser (University of Abertay) et al: University of Abertay

dapd/wissenschaft.de -


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