Bombige Jahrgänge

Für einen Château Latour Jahrgang 1961 legt ein Bordeaux-Kenner bis zu 4300 Euro auf den Tisch. Damit falsche Jahresangaben entlarvt werden können, haben nun australische Forscher ein Verfahren entwickelt. Sie datieren dabei anhand der Konzentration von radioaktivem Kohlenstoff im Alkohol den Wein präzise. Durch die Atombombentests ab den 40er Jahren wurde der Anteil einer radioaktiven Kohlenstoff-Form in der Atmosphäre deutlich erhöht. Nach Einstellung der Tests 1963 sank die Konzentration schrittweise, was genau dokumentiert ist. Weinreben nehmen Kohlenstoff aus der Luft auf und liefern über die messbare Konzentration quasi eine Momentaufnahme. Um einen Weinjahrgang zu verifizieren, haben die Wissenschaftler nun den Anteil von radioaktivem Kohlenstoffs im Wein gemessen und die Werte mit den gesicherten atmosphärischen Messungen vergleichen.
Bei Weinen spielt das Jahr, in dem die Trauben geerntet wurden, eine große Rolle: Bei optimalen Klimaverhältnissen werden Spitzenjahrgänge gekeltert, die hohe Preise erzielen. Weinexperten schätzen aber, dass ungefähr fünf Prozent dieser Weine Fälschungen sind, was sich oft auch auf den Jahrgang bezieht. Nun können die Weine mit radioaktivem Kohlenstoff datiert werden, der von den Weinreben aus der Atmosphäre aufgenommen wird. Ab Ende der 40er Jahre bis zum Stopp 1963 führten mehrere Staaten zahlreiche Atombombentests durch. Dadurch stieg in der Atmosphäre die Konzentration einer bestimmten Form von Kohlenstoff, dem sogenannten C14. Dieses kam bis zu den ersten Bombentests natürlicherweise stets in einem konstanten Verhältnis zu einer zweiten Kohlenstoff-Form vor, dem C12.

Da Pflanzen ständig Kohlenstoff aufnehmen, dokumentieren sie das jeweils aktuelle Verhältnis der beiden Kohlenstoff-Formen in der Atmosphäre. Diese Momentaufnahme findet sich auch in den Weintrauben und nach ihrer Verarbeitung im Wein: Dieser ist in Flaschen vor verfälschenden Kohlenstoff-Einträgen abgekapselt. "Mit Messungen des C14-C12-Verhältnisses im Alkohol des Weines kann deshalb der Jahrgang genau bestimmt werden", erklärt Jones. Die Wissenschaftler verwendeten dazu ein Massenspektrometer, mit dem sie Messungen an 20 australischen Rotweinen mit bekanntem Jahrgang zwischen 1958 und 1997 durchführten. Die erhaltenen Verlaufskurven der Werte verglichen sie dann mit Verlaufskurven der atmosphärischen Messungen. Der Vergleich bestätigte die Zuverlässigkeit der Methode. Diese werde noch erhöht, wenn zusätzlich weitere Komponenten des Traubensafts gemessen würden, wie etwa die Weinsäure, schreiben die Forscher.
Graham Jones (Adelaide University) et al.: Vortrag Frühjahrstreffen der American Chemical Society


ddp/wissenschaft.de ? Thomas Neuenschwander


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