Kaffee-Lust liegt auch in den Genen

Unsere Lust auf Kaffee ist zumindest zum Teil von Genen beeinflusst. (Foto: Shlaith/iStock)

Ob wir viel Kaffee trinken oder wenig, hängt nicht nur von unserem persönlichen Geschmack oder der Gewohnheit ab. Auch bestimmte Gene beeinflussen wahrscheinlich unseren Kaffeekonsum. Welche dies sind, ist bisher aber nur in Ansätzen bekannt. Jetzt hat ein Forscherteam ein weiteres dieser Gene entdeckt: Ist die Aktivität dieses PDSS2-Gens durch Mutationen geschwächt, wird Koffein im Körper schneller abgebaut – und wir bekommen früher wieder Lust auf die nächste Tasse Kaffee.

Kaffee ist der Wachmacher schlechthin, er hilft müden Morgenmuffeln in den Tag und hält fit, wenn es mal wieder abends etwas länger dauert. Aber auch das vielschichtige, reiche Aroma des duftenden Heißgetränks verlockt uns zum Genuss. Kein Wunder, dass Kaffee eines der beliebtesten Getränke weltweit ist – übertroffen wird der Kaffeekonsum nur durch Wasser und Tee. Nachdem der Kaffee von früheren Generationen lange als ungesund verteufelt wurde, hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr gezeigt, dass das Pflanzenprodukt Kaffee sogar gesundheitsfördernde Wirkungen besitzt. So deuten Studien darauf hin, dass Kaffee die Blutgefäße schützt und sich positiv auf den Fett- und Zuckerstoffwechsel auswirkt. Sogar unser Gedächtnis soll der regelmäßige Genuss von Kaffee stärken und unser Erbgut darüber hinaus vor Schäden bewahren. Neben dem Koffein sind dafür wahrscheinlich vor allem die in der Kaffeebohne enthaltenen Polyphenole und weitere sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe verantwortlich. All diese gesunden Effekte beobachteten Forscher meist bei denjenigen, die schon seit Jahren regelmäßig und eher viel Kaffee pro Tag zu sich nehmen.

Aber was entscheidet darüber, ob wir Kaffee-Vieltrinker sind oder problemlos mit der morgendlichen "Wachmacher"-Tasse über den Tag kommen? Schon seit langem haben Wissenschaftler den Verdacht, dass hier mehr mitspielt als nur die individuelle Geschmacksvorliebe oder die Gewohnheit. "Die frühesten Studien zu einer genetischen Basis des Kaffeekonsums reichen schon bis in die 1960er Jahre zurück", erklären Nicola Pirastu von der University of Edinburgh und seine Kollegen. Bei diesen wurde untersucht, ob eineiige Zwillinge sich im Kaffee-Trinkverhalten ähnlicher sind als zweieiige Zwillinge oder normale Geschwister – mit schwach positiven Ergebnissen. In den letzten Jahren dann haben Forscher mehrere Gene identifiziert, deren Varianten mit beeinflussen könnten, wie viel Kaffee ein Mensch trinkt. "Doch trotz dieser Erfolge bleibt die Vererbbarkeit der Lust am Kaffee noch immer weitgehend unerklärt", konstatieren Pirastu und seine Kollegen.

Fündig geworden auf Chromosom sechs

Um mehr Licht in unsere "Kaffeegene" zu bringen, haben die Forscher erneut im Erbgut gefahndet. Sie erfragten dafür das Trinkverhalten bei gut 1200 Menschen in Italien und bei gut 1700 Niederländern. Gleichzeitig nahmen sie von allen DNA-Proben, sequenzierten das Erbgut und führten eine Assoziationsanalyse durch. Dabei suchten sie gezielt nach Genvarianten, die bei Viel- oder Wenig-Trinkern gehäuft vorkommen. Das Ergebnis: Zwölf Abweichungen bei einzelnen DNA-Basen zeigten einen Zusammenhang mit dem Kaffeekonsum, wie die Wissenschaftler berichten. Diese Varianten konzentrierten sich in einer bestimmten Region des Chromosoms 6: im PDSS2-Gen, einem Gen, das die Bauanleitung für einen Teil des Koenzym Q10 enthält. Das Q10 ist den meisten von uns als Zusatz zu Hautcremes bekannt, doch in der Leber beeinflusst dieses Koenzym, wie effektiv Koffein abgebaut wird. Pirastu und seine Kollegen fanden nun heraus, dass Genvarianten, die die Aktivität des PDSS2-Gens herabsetzen, vor allem bei Menschen mit besonders hohem Kaffeekonsum zu finden sind.

"Damit haben wir eine neue Verbindung zwischen dem Kaffeekonsum und dem PDSS2-Gen entdeckt", konstatieren die Forscher. Sie vermuten, dass der Zusammenhang sich folgendermaßen manifestiert: Bei den Menschen, bei denen dieses Gen sehr aktiv ist, wird der Koffeinabbau heruntergeregelt – die Wirkung einer Tasse Kaffee hält daher lange vor. Wer dagegen PDSS2-hemmende Genvarianten trägt, der baut Koffein schneller ab und neigt daher dazu, früher die nächste Tasse Kaffee zu trinken. Er gehört damit zu den Vieltrinkern. Allerdings: So simpel, wie hier erklärt, sind die Zusammenhänge natürlich nicht, wie die Forscher betonen. Denn das PDSS2-Gen ist nur eines von mehreren bekannten Genen, die den Kaffeekonsum eines Menschen beeinflussen könnten. Zudem spielen unsere Umwelt, die Gewohnheiten und die Umstände ebenfalls eine entscheidende Rolle dafür, ob wir im Laufe eines Tages viel Kaffee trinken oder nicht.

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