"Genchirurgie": Blick auf Chancen und Risiken

Die Genschere CRISPR ist ein faszinierendes Werkzeug (Grafik: Ivcandy/iStock)

"Schnipp-Schnapp" im Erbgut – die Genschere "CRISPR" macht genetische Manipulationen nun so einfach wie nie zuvor. Die neue Technik eröffnet damit etwa in der Medizin faszinierende Möglichkeiten, sie wirft allerdings auch kritische Bedenken auf. Das heikle Thema "maßgeschneiderte Gene" steht nun im Zentrum der Oktober-Ausgabe von bild der wissenschaft.

Im ersten Teil des dreiteiligen Titelthemas erklärt bdw-Autor Sascha Karberg zunächst die Funktionsweise der faszinierenden CRISPR-Technik und lässt die zugehörige Wissenschafts-Prominenz zu Wort kommen: die Mikrobiologin Emma­nuelle Charpentier. Sie hat die Entwicklung des Genscheren-Verfahrens auf den Weg gebracht. Der Knackpunkt bei dieser neuen Technik ist seine Präzision: Gene lassen sich nun im Vergleich zu früheren Verfahren gezielter und einfacher aus dem Erbgut von Lebewesen ausschneiden oder ersetzen.

Enormes Potenzial

Welche spannenden Möglichkeiten dies eröffnet, beschreibt Sascha Karberg anhand von aktuellen Vorhaben: Forscher planen, mit dem Verfahren beispielsweise Erbkrankheiten beim Menschen die genetischen Grundlagen zu nehmen, HIV-Infizierte zu heilen oder die Erträge von Nutzpflanzen und -tieren zu steigern. Doch all diese Möglichkeiten werfen auch Befürchtungen und Kritik auf, wie Karberg berichtet. Umstritten sind dabei vor allem die Eingriffe in die menschliche Keimbahn.

Im zweiten Teil des Titelthemas befasst sich die bdw-Autorin Judith Rauch mit dem vielversprechenden Einsatz einer speziellen Genscheren-Technik zur Ausrottung problematischer Insekten. Das Konzept: Mit dem sogenannten Gene Drive-Verfahren könnte man beispielsweise männliche Stechmücken so manipulieren, dass sie an alle ihre Nachkommen eine Unfruchtbarkeit übertragen, die sich dann schließlich in der gesamten Population ausbreitet. Auf diese Weise ließen sich beispielsweise die Bestände der Malaria-Mücken oder der Überträger des Zika-Virus zum Einbruch bringen, so die Hoffnung.

Kritische Fragen

Doch auch im Fall dieses Gene Drive-Verfahrens werden teilweise harsche kritische Töne laut, wie Judith Rauch berichtet: Es ist beispielsweise kaum vorhersehbar, welche Auswirkungen die Ausrottung von bestimmten Arten auf die Ökosysteme hat – möglicherweise spielen sie eine Schlüsselrolle in den Nahrungsketten. Manche Kritiker sprechen im Zusammenhang mit dem Verfahren sogar von "Gen-Bomben" und es kommen Ängste vor Fehlern auf, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen.

Abgerundet wird das aktuelle Titelthema in bild der wissenschaft von einem Kommentar des stellvertretenden Chefredakteurs von bdw, Alexander Mäder. Unter dem Motto "Offen für Neues" befasst er sich vor allem mit dem Einsatz der Technik beim Menschen. Er plädiert dabei für einen differenzierten Umgang mit dem Thema: Ihm zufolge scheuen wir uns zu Recht, Designer-Kinder zu zeugen, die "optimierte" genetische Anlagen besitzen. Aber wir sollten nicht aus Angst jeden therapeutischen Eingriff verbieten, meint Alexander Mäder.

Die Artikel rund um das Thema "maßgeschneiderte Gene" finden Sie in der Oktober-Ausgabe von bild der wissenschaft, die ab dem 20. September im Handel erhältlich ist.

   

  
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