Groß und schlank veranlagt?

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Nordeuropäer sind eher schlank und groß gewachsen, Südeuropäer dagegen eher kleiner: An diesem Klischee ist tatsächlich etwas dran. Doch warum unterscheidet sich der durchschnittliche Body-Mass-Index zwischen den Völkern Europas? Neben der Kultur spielt dabei zumindest teilweise auch die Genetik eine Rolle, legen nun Studienergebnisse nahe.

Hautfarbe, Augenform, Art der Behaarung... die typischen Merkmale von Menschen aus unterschiedlichen Regionen sind das Produkt ihrer genetischen Veranlagung und in der Regel das Resultat von Anpassungen an die jeweiligen Umweltbedingungen. Doch bei anderen Merkmalen ist eher unklar, welche Rolle die Umwelt beziehungsweise die Ernährung bei der Ausprägung spielt. Konkret: Wie sieht es mit der Körpergröße und noch fraglicher beim Body-Mass-Index (BMI) aus? Es handelt sich dabei um das Verhältnis des Körpergewichts eines Menschen in Relation zu seiner Körpergröße. Je kleiner der Quotient ausfällt, desto schlanker ist eine Person – bei Überschreiten bestimmter Werte spricht man von Übergewicht.

Woran liegen die Unterschiede?

Statistiken zeigen, dass es bei den Völkern Europas tatsächlich Unterschiede bei der durchschnittlichen Größe, aber auch beim BMI gibt. Doch woran liegt das - spielt dabei eine grundlegende genetische Veranlagung der Völker eine Rolle? Dieser Frage sind die Forscher um Matthew Robinson von der University of Queensland in Brisbane nun gezielt in einer Studie nachgegangen. Sie werteten dazu Daten von insgesamt 9.416 Menschen aus 14 europäischen Ländern aus, die aus sogenannten genomweiten Assoziationsstudien stammen. Sie umfassten sowohl Informationen über die Körperformen der Personen als auch über deren Erbgut.

Die Erbgutanalysen der Forscher in Kombination mit den körperlichen Daten und Volkszugehörigkeiten kamen zu dem Ergebnis: Im Durchschnitt sind etwa 24 Prozent der genetischen Variation bezüglich Körpergröße und 8 Prozent der genetischen Variation in Verbindung mit dem BMI von regionalen genetischen Unterschieden geprägt. Im Detail zeigte sich, dass die Veranlagung zu mehr Körpergröße mit BMI-reduzierenden Genen korreliert ist. Mit anderen Worten: In Ländern, in denen man zu einer hochgewachsenen Gestalt neigt, wie in den Niederlanden oder Schweden, ist auch eine stärkere genetische Neigung zu einer schlanken Figur zu verzeichnen. Die Forscher kommen somit zu dem Fazit: In der Geschichte hat natürliche Auslese zu bestimmten genetischen Neigungen bei der Körpergröße und auch dem BMI bei den unterschiedlichen Völkern geführt.

Die Kultur prägt den BMI am stärksten

Die Forscher entwickelten anhand ihrer genetischen Informationen auch theoretische Voraussagen dazu, wie in einem Land der durchschnittliche BMI eigentlich ausfallen müsste. Beim Vergleich mit den realen Daten zeigten sich dabei deutliche Diskrepanzen. Dies verdeutlicht, dass trotz des Faktors der Veranlagung letztlich offenbar doch kulturelle und Ernährnungs-Gewohnheiten die Durchschnittswerte beim BMI am stärksten prägen. Beispiel Irland: Hier wären die Menschen eigentlich eher zu einem tendenziell niedrigeren BMI veranlagt. In den realen Statistiken spiegelt sich dies aber nicht wieder.

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