Übergewicht: Fünf Prozent weniger reichen schon

Beim Abnehmen hilft ein wenig schon sehr viel. (Foto: Kwanchaichaiudom / iStock)

Wer ein paar Kilogramm zu viel mit sich herumschleppt, der kennt das Problem: Nach einem vielversprechenden Anfang einer Ernährungsumstellung oder Diät stagniert das Gewicht. Die restlichen Fettpölsterchen wollen einfach nicht weichen. Jetzt gibt es für alle Übergewichtigen mit diesem Problem eine gute Nachricht: Nur fünf Prozent abnehmen reicht schon aus, um der Gesundheit einen großen Gefallen zu tun. Jedes Kilo darüber hinaus ist zwar schön, bringt aber gar nicht mehr so viele gesundheitliche Vorteile, wie eine Studie nahelegt.

Starkes Übergewicht ist auf Dauer nicht gesund: Das Risiko für Diabetes, Leberverfettung, Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt und auch chronische Entzündungen von Gefäßen und anderen Geweben erschweren die normalen Stoffwechsel- und Organfunktionen. Unter anderem deshalb lautet die Empfehlung der meisten Ärzte an ihre übergewichtigen Patienten, wenigstens ein bisschen Gewicht zu verlieren – rund fünf bis zehn Prozent werden meist empfohlen. Denn schon das bringt einiges für die Gesundheit, wie Studien zeigen. Aber schon zehn Prozent dauerhaft abzunehmen ist für viele Übergewichtige und erst recht Fettleibige relativ schwer. Erst im letzten Jahr belegte eine Studie, dass die "Rückfall"-Quote bei mehr als der Hälfte liegt, fünf Jahre nach einer längeren Diät haben dann sogar fast drei Viertel der Übergewichtigen das Gewicht wieder drauf. "Nur fünf Prozent des Gewichts zu verlieren ist sehr viel einfacher als zehn Prozent", erklärt Studienleiter Samuel Klein von der Washington University in St. Louis. "Daher ist es wichtig zu wissen, welche gesundheitlichen Vorteile schon bei diesem Gewichtsverlust eintreten und was dann bei weiterem Abnehmen noch hinzukommt."

Um das herauszufinden, begleiteten die Forscher 40 übergewichtige Versuchspersonen beim Abnehmen. Alle Teilnehmer zeigten bereits erste Anzeichen für eine Insulinresistenz und damit eine Vorform des Diabetes. Die Forscher gaben ihnen vor, entweder fünf, zehn oder 15 Prozent ihres Ausgangsgewichts zu verlieren. Vor der Diät und nachdem das Wunschgewicht stabil erreicht war, untersuchten die Wissenschaftler den Zustand des Stoffwechsels und der Organe und ermittelte die Insulin-Sensibilität verschiedener Gewebe. Auch die Funktion der insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse und die Entzündungsmarker wurden verglichen. Das Ergebnis: Schon bei den Teilnehmern, die nur fünf Prozent ihres Körpergewichts abgenommen hatten, fanden die Forscher messbare Gesundheitsvorteile. Nahm beispielsweise ein Proband nur von 106 Kilo auf 100 Kilogramm ab, verbesserte sich die Funktion der Betazellen und die Insulinresistenz von Fettgeweben, Leber und Muskeln verringerte sich. Auch die Blutfettwerte nahmen ab. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass schon ein fünfprozentiger Gewichtsverlust bei Übergewichtigen die insulinbedingte Zuckeraufnahme der Gewebe um 25 Prozent erhöht", berichten die Forscher.

Noch weniger bringt nicht bei allem mehr

Das Spannende daran: Einige dieser Werte verbesserten sich auch bei den Teilnehmern kaum mehr weiter, die zehn oder 15 Kilogramm abnahmen. "Ein weitergehender Gewichtsverlust ist gut, aber nicht alle Organsysteme reagieren darauf auf die gleiche Weise, erklärt Klein. "So reagiert das Muskelgewebe zwar auf weiteres Abnehmen, nicht aber Leber und Fettgewebe. Sie erreichen ihre maximalen Verbesserungen bei der Insulinresistenz schon nach nur fünf Prozent Gewichtsverlust." Positive Effekte hat ein zusätzlicher Gewichtsverlust dagegen auf die Funktion der Betazellen und auch die chronischen Entzündungen in den Fettgeweben. "Das zeigt, dass ein fünfprozentiger Gewichtsverlust schon ausreicht, um gute Gesundheitseffekte zu erzielen", sagt Klein. "Die ersten fünf Prozent zahlen sich am meisten aus."

Für viele Übergewichtige könnte diese Erkenntnis schon eine große Erleichterung sein – und ein Mittel gegen den Diätfrust. Denn wie die Forscher erklären, kann schon die Empfehlung, mindestens zehn Prozent abzunehmen, zu einem Gefühl des Scheiterns und zu Resignation führen, wenn man dieses Ziel dann nicht erreicht – oder dieses Zielgewicht nur kurze Zeit hält. "Wir sollten daher darüber nachdenken, die Richtlinien dahingehend zu ändern, dass das Ziel von fünf Prozent Gewichtsverlust und die damit verbundenen Vorteile stärker betont werden", meint Klein. "Wir hoffen, dass unsere neuen Erkenntnisse übergewichtige Menschen stärker dazu motivieren, zumindest diese kleine Reduktion anzugehen." Dafür reiche es oft schon aus, sich ein wenig mehr zu bewegen und bewusster zu essen.

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