Gleicht Altersweitsicht Kurzsichtigkeit aus?

Gibt es einen späten Trost für Kurzsichtige? (Bild: GetUpStudio/iStock)

Die einen sehen in der Ferne unscharf, die anderen haben hingegen Probleme mit der Nahsicht: Kurzsichtigkeit ist bekanntlich das Gegenteil von Weitsichtigkeit. Bedeutet das, dass Kurzsichtige von der sogenannten Altersweitsichtigkeit profitieren und in reiferen Jahren wieder schärfer in die Ferne blicken können? Das hat uns Günter S. gefragt – vielen Dank dafür.

Die Rechnung, Altersweitsichtigkeit lindert Kurzsichtigkeit, geht leider nicht auf, sagt Georg Eckert vom Berufsverband der Augenärzte. "Kurzsichtige werden zusätzlich altersweitsichtig – zu einem Ausgleich kommt es nicht", so der Ophthalmologe. Der Grund ist, dass Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) durch die Alterung der Augenlinse entsteht und damit nicht die gleiche Ursache hat wie die eigentliche Weitsichtigkeit (Hyperopie). Die  Altersweitsichtigkeit beruht also nicht auf dem gegenteiligen Effekt der Kurzsichtigkeit (Myopie) und kann sie deshalb auch nicht ausgleichen.

Kein später Trost für Kurzsichtige

"Altersweitsichtigkeit entsteht durch den zunehmenden Verlust der Elastizität der Augenlinse", erklärt Eckert. Dadurch schwindet die Fähigkeit des Auges, die Sehschärfe im Nahbereich durch eine Verformung der Linse einzustellen. Der Punkt, bei dem man Objekte gerade noch scharf erkennen kann, rückt deshalb in immer weitere Ferne. Ab etwa 40 Jahren macht sich das dann immer deutlicher bemerkbar: Irgendwann wird die nötige Entfernung zu groß, um noch Details erkennen zu können - eine Lesebrille muss das schwindende Krümmungsvermögen der Augenlinse ausgleichen.

Die Ursachen für die eigentliche Weitsichtigkeit - beziehungsweise Kurzsichtigkeit - sind hingegen vereinfacht ausgedrückt "ungünstige Längen des Augapfels". Bei der Kurzsichtigkeit ist er zu lang: Die Strahlen treffen sich dadurch vor der Netzhaut – deshalb entsteht kein scharfes Bild. Eine Brille mit Minuslinsen gleicht dies aus. "Bei der Weitsichtigkeit ist der Augapfel hingegen zu kurz und der Fokus liegt dadurch hinter der Netzhaut. Diese Fehlsichtigkeit korrigieren Pluslinsen in einer Brille", erklärt Eckert.

Eine Gleitsicht-Brille löst das Problem

Somit wird klar: Dadurch, dass Altersweitsichtigkeit den Augapfel nicht verkürzt, kann sie auch nicht einer Kurzsichtigkeit entgegenwirken. Kurzsichtige bekommen mit zunehmendem Alter deshalb ebenfalls ein Nahsicht-Problem. An ihrer Fehlsichtigkeit beim Fernblick ändert dies allerdings nichts - sie bleiben auf eine Korrektur ihrer Kurzsichtigkeit durch eine Fernsicht-Brille angewiesen.

Konkret heißt das: "Für die Verbesserung der Nahsicht müssen Kurzsichtige ihre Fernsicht-Brille abnehmen und durch eine Lesebrille ersetzen", sagt Eckert. Diesen umständlichen Tausch machen die sogenannten Gleitsicht-Brillen überflüssig. Sie wirken sowohl der Kurzsichtigkeit als auch dem Effekt der Altersweitsichtigkeit entgegen: Der obere Bereich der Brillengläser besitzt Brechungswerte für den geschärften Blick in die Ferne, der untere liefert hingegen Dioptrien im Plusbereich für die Verbesserung der Nahsicht.

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