Warum macht nur kurz gezogener Tee munter?

Flavanole sind der Knackpunkt beim Tee. (Foto: Antagain/iStock)

Schwarz, grün oder weiß – Tee aus der Teepflanze Camellia sinensis schmeckt nicht nur gut, viele Menschen trinken ihn auch wegen seiner anregenden Wirkung. Doch dieser Effekt ist eine Frage der Ziehdauer, heißt es: Kurz gebrüht macht Tee munter, zieht er dagegen länger als zwei Minuten, verliert er angeblich diese Wirkung. Warum ist beim Teekochen ein genauer Blick auf die Uhr gefragt? Das hat uns Ferdinand B. gefragt – vielen Dank dafür!

Die Antwort weiß Sabine Ellinger von der Hochschule Niederrhein: "Substanzen, die für die Wirkung des Tees verantwortlich sind, lösen sich unterschiedlich schnell aus den Teeblättern", erklärt die Ernährungswissenschaftlerin. Das anregende Koffein, auch als Tein bezeichnet, geht schon nach ein bis zwei Minuten in den Teeaufguss über. Erst nach und nach folgen dagegen die Flavanole, die das Koffein teilweise wieder an sich binden. Der Körper kann den Muntermacher so nicht mehr aufnehmen – der Tee verliert bei längerer Ziehdauer dadurch seinen anregenden Effekt, erklärt Ellinger. Bleibt der Teebeutel länger als fünf Minuten, lösen sich noch weitere Flavanole, die uns dann das Geschmackserlebnis zunehmend vermiesen: Der Tee wird bitter.

An den Flavanolen liegt's

"Die Flavanole sind generell der Knackpunkt beim Tee", so Ellinger. Diese Substanzgruppe ist für das typische Aroma des Tees verantwortlich sowie für seine gesundheitsfördernden Eigenschaften. Einige Flavanole wirken als so genannte Antioxidantien und schützen unsere Zellen vor schädlichen Sauerstoffradikalen, die bei der Entstehung verschiedener Erkrankungen eine Rolle spielen. Einige Studien deuten darauf hin, dass der Konsum von Tee – insbesondere Grüntee – beispielsweise vor Herzkreislauf- und Krebserkrankungen schützt.

"Weißer und grüner Tee sind in Hinblick auf die gesundheitsfördernden Wirkungen von besonderem Interesse", sagt Ellinger. Sie weisen einen höheren Gehalt an Flavanolen auf als schwarzer Tee. Weißer Tee wird vorwiegend aus Blattknospen und jungen Blättern hergestellt, grüner Tee dagegen ausschließlich aus den Blättern. Beide Teesorten bleiben im Gegensatz zum schwarzen Tee unfermentiert. Bei der Fermentation werden zwar die typischen Aromen des Schwarztees gebildet, es wird aber auch ein Teil der Flavanole abgebaut.

 

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