Versalzene Herzleistung

Lebenswichtig - aber in Maßen: Salz. (Foto: Sebalos/iStock)

Salz bringt Pfiff ins Essen und ist ein lebenswichtiger Nährstoff – doch es gibt eindeutig ein zu viel des Guten, wie nun erneut eine Langzeitstudie aufzeigt: Ein hoher Salzkonsum ist demnach mit einem doppelten Risiko für die Entwicklung einer Herzinsuffizienz verbunden und zwar unabhängig von dem bekannten Negativeffekt von zu viel Salz auf den Blutdruck.

Salz ist nicht nur ein Gewürz – unsere Lust auf diese Substanz hat einen physiologischen Hintergrund – wir brauchen es: In gelöster Form bildet Natriumchlorid positiv geladene Ionen, die eine wichtige Rolle für den Wasserhaushalt, das Nervensystem, die Verdauung und den Knochenaufbau des Menschen spielen. Der entsprechende Bedarf eines Menschen beträgt etwa ein zwei bis drei Gramm täglich. Doch die meisten Menschen versorgen sich deutlich üppiger mit Salz. Nicht nur das bewusste Salzen von Speisen ist dafür verantwortlich, sondern auch der Verzehr von Fertigprodukten, deren Geschmack oft durch hohe Salzmengen aufgepeppt ist. Es ist bereits lange bekannt, dass exzessiver Salzkonsum ungesund ist – vor allem der Negativeffekt auf den Blutdruck ist dabei berüchtigt.

Dem Zusammenhang von Salz und Herzinsuffizienz auf der Spur

"Zu hohe Salzaufnahme ist eine der Hauptursachen für hohen Blutdruck und ein unabhängiger Risikofaktor für die Entwicklung von koronaren Herzkrankheiten und Schlaganfall", sagt Pekka Jousilahti vom National Institute for Health and Welfare in Helsinki. Bisher war aber die Rolle von hohem Salzkonsum auf die Entwicklung einer speziellen Problematik unklar: Herzinsuffizienz. Es kommt dabei zu einer verminderten Pumpleistung des Herzens, die lebensgefährliche Ausmaße erreichen kann. Es handelt sich bei der Herzinsuffizienz um eine der wichtigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die in Europa und weltweit Millionen von Menschen betrifft.

Jousilahti und ihre Kollegen haben sich nun der Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Salzaufnahme und der Entwicklung von Herzinsuffizienz einmal gezielt gewidmet. Sie werteten dazu Informationen von 4630 finnischen Männer und Frauen aus, die zu Beginn der zwölf Jahre umfassenden Studienlaufzeit im Alter zwischen 25 bis 64 Jahren gewesen waren. Die Datenerfassung umfasste neben einem Fragebogen zum Gesundheitsverhalten, Körperdaten und Blutdruck, eine venöse Blutprobe für Laboranalysen und die Sammlung von Urinproben im Rahmen von 24 Stunden. Sie diente der objektiven Abschätzung des Salzkonsums der Studienteilnehmer. Anhand von Informationen aus dem finnischen Gesundheitssystem über die medizinische Versorgung der Probanden konnten die Forscher anschließend die Fälle von Herzerkrankungen in den zwölf Jahren erfassen.

Doppeltes Risiko

Bei 121 Studienteilnehmern hatte sich im Verlauf dieser Zeitspanne eine Herzinsuffizienz herausgebildet, ergaben die Auswertungen. Im Bezug zum Salzkonsum zeichnete sich dabei ab: Menschen, die mehr als 13,7 Gramm Salz täglich verbraucht haben, besaßen ein zweimal höheres Risiko für die Entwicklung einer Herzinsuffizienz als Studienteilnehmer, die weniger als 6,8 Gramm konsumierten. Diese salzbedingte Zunahme des Herzinsuffizienzrisikos war unabhängig vom Blutdruck, betonen die Forscher. "Das Herz mag es nicht versalzen – eine zu hohe Salzaufnahme erhöht das Risiko einer Herzinsuffizienz deutlich", resümiert Jousilahti.

"Die optimale tägliche Salzaufnahme ist wohl allerdings noch niedriger als 6,8 Gramm, betont Jousilahti. "Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt maximal fünf Gramm pro Tag". Die Wissenschaftlerin empfiehlt nun, den Zusammenhang von Salzkonsum und Herzinsuffizienz noch genauer zu untersuchen: "Studien mit größeren, gepoolten Bevölkerungskohorten sind nun erforderlich, um detailliertere Schätzungen des erhöhten Herzinsuffizienzrisikos zu ermöglichen", sagt Jousilahti bei der Präsentation der Ergebnisse auf dem Kongress der European Society of Cardiology in Barcelona.

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