Alkohol stört den Schlaf

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Ein kleines Schlückchen Alkohol vor dem Zu-Bett-Gehen und schon schläft man den Schlaf der Gerechten: Viele Menschen schwören auf die sedierende Wirkung von Wein, Bier und Schnaps. Doch gibt es diesen Effekt wirklich? Eine gute Einschlafhilfe ist Alkohol nur auf den ersten Blick, so das Ergebnis einer neuen Studie. Demnach wirkt Alkohol zwar tatsächlich zunächst beruhigend. Später jedoch beeinträchtigt er die Schlafqualität deutlich.

Dass sich Alkohol als Schlafmittel eignet, ist ein weit verbreiteter Mythos – und tatsächlich entbehrt er nicht jeglicher Grundlage. So scheint Alkohol zu entspannen, die meisten Menschen schlafen mit seiner Hilfe schneller ein. Diese beruhigende Wirkung können Wissenschaftler sogar messen. Mithilfe der Elektroenzephalografie (EEG) machen sie die Hirnstromaktivität eines schlafenden Menschen sichtbar: das Signal enthält nach einem Schlummertrunk vermehrt Wellen, die Neurowissenschaftler mit dem sogenannten Slow Wave Sleep assoziieren – die Schlafphase mit der höchsten Weckschwelle, umgangssprachlich auch oft Tiefschlaf genannt. Ein australisches Team um Julia Chan von der Universität Melbourne hat nun jedoch gezeigt, dass Alkohol gleichzeitig auch zum Anstieg eines Signals führt, welches auf Schlafstörungen hinweist.

Wache Hirnregionen

Für ihre Untersuchung haben die Forscher den Schlaf von 24 gesunden College-Studenten analysiert, die alkoholische Getränke im Alltag nur in Maßen genießen. Welchen Effekt hat Alkoholkonsum unmittelbar vor dem Zu-Bett-Gehen auf das EEG dieser Probanden? Die Ergebnisse zeigen: einen deutlichen. Chan und ihre Kollegen fanden große Unterschiede im EEG-Spektrum, je nachdem ob Alkohol im Spiel gewesen war oder nicht. Er verstärkt demnach nicht nur, wie erwartet, die Anzeichen des Slow Wave Sleep in der frühen Schlafphase. Zudem zeigte sich simultan ein erhöhter Alpha-Wellen-Strom im frontalen Bereich des Gehirns. Das bedeutet, dass sich dieser Teil des Gehirns keineswegs in einem Tiefschlafmodus befand. Denn Experten assoziieren Alpha-Wellen mit entspannter Wachheit oder dem Stadium zwischen Schlafen und Wachen. „Erhöhte Slow Wave Aktivität beim Schlafen deuten wir traditionell als ein gutes Zeichnen. Nun zeigt sich jedoch, dass dieser Anstieg mit anderen feinen Veränderungen einhergeht, die auf Schlafstörungen hinweisen", erläutert Mitautor Christian Nicholas. Ähnliche Veränderungen der Alpha-Wellen Aktivität im Schlaf haben Forscher bei Patienten beobachtet, die unter chronischen Schmerzen leiden.

Schädliche Unruhezustände

Deshalb, so Nicholas, müsse man bei der Auswertung von EEGs im Kontext von Studien zum Thema Alkohol unbedingt auch solche mikrostrukturellen Details beachten. Die Theorie des Teams: Die Existenz eines Erregtheitszustands (Arousal) in einem Teil des Gehirns steht in Konkurrenz zur Erhaltung des erholsamen Schlafs. Das kann dazu führen, dass es später zu Unruhezuständen kommt. Man fühlt sich am nächsten Tag nicht erholt und ist weniger leistungsfähig. Wer sich über einen längeren Zeitraum regelmäßig Alkohol vor dem  Schlafengehen genehmigt, schadet laut den Forschern auf Dauer nicht nur seinem Wohlbefinden, sondern auch seinen neurokognitiven Fähigkeiten – zum Beispiel in Bezug auf Lern- oder Erinnerungsprozesse.
„Alkohol ist kein besonders gutes Schlafmittel, auch wenn es so scheint, dass man auf diese Weise schneller einschläft", schließen die Forscher. „Denn die Qualität des Schlafs wird durch den Alkohol entscheidend beeinträchtigt." Ob diese Erkenntnis zum Beispiel auch für Menschen gilt, die ohnehin schon unter Schlafstörungen leiden oder im Alltag regelmäßig überdurchschnittlich viel Alkohol trinken, müsse mit weiterführenden Studien überprüft werden.

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