Hautkrebs: Sonnenlicht schadet auch noch im Dunkeln

Credit: Thinkstock

Bei einem ausgiebigen Sonnenbad kann die menschliche DNA erheblichen Schaden nehmen. Im Extremfall führt das zu Hautkrebs. Diese gefährliche Wirkung der UV-Strahlung hält unter Umständen auch noch Stunden nach einem Strandausflug oder Solariumsbesuch an, wie Forscher nun berichten. Der Übeltäter bei dieser verspäteten Reaktion ist offensichtlich das Melanin – also ausgerechnet jenes Pigment, das eigentlich als Lichtschutz für die Haut gilt.

Hautkrebs wird seit Jahrzehnten immer häufiger. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation erkranken weltweit jedes Jahr zwei bis drei Millionen Menschen neu an hellem Hautkrebs und mehr als 250.000 Menschen an dem malignen Melanom (schwarzer Hautkrebs). Ursache für die meisten dieser Fälle ist ein Zuviel an Sonneneinstrahlung. Extreme Belastung durch UV-Strahlung führt auf ungeschützter Haut dazu, dass das Erbgut Schaden nimmt. In der DNA können dadurch gefährliche Veränderungen – sogenannte Mutationen – entstehen, die Krebs erzeugen.
Normalerweise passiert das weniger als eine Sekunde nach dem UV-Kontakt. Doch Sanjay Premi und seine Dermatologen-Kollegen von der Yale University School of Medicine zeigen nun, dass dieser Prozess in Melanozyten auch noch Stunden nach dem Sonnenbad weitergehen kann. Melanozyten sind die pigmentbildenden Zellen der Haut. Entarten sie, entsteht der gefährliche schwarze Hautkrebs. Dieser macht zwar nur einen Bruchteil aller Hautkrebserkrankungen aus, ist aber bösartig und äußerst aggressiv.

Melanin schützt und schadet zugleich

Für die Studie hat das Team Melanozyten von Mäusen und Menschen der Strahlung einer UV-Lampe ausgesetzt. Die UVB, sowie insbesondere auch die langwelligere UVA-Strahlung verursachten in diesen Zellen eine Strukturveränderung der DNA. Als Folge kann die verformte DNA nicht mehr richtig abgelesen, die Information, die sie enthält, nicht weitergegeben werden. Diese schädliche Veränderung der räumlichen Gestalt der DNA passierte dabei nicht nur unter der UV-Lampe. Zur Überraschung der Forscher hielt sie noch über drei Stunden nach der Bestrahlung an, ging also im Dunkeln weiter. In Zellen ohne Melanin war dem nicht so. Hier stoppte der Prozess mit dem Erlöschen der Lampe.


Doch warum hat das Hautpigment diesen Effekt in den Zellen? Die Wissenschaftler glauben, dass die UV-Strahlung zwei Enzyme aktiviert, die zusammen ein Elektron des Melanins anregen. Dabei wird Energie frei, die wiederum noch nach dem Sonnenbad schädliche Veränderungen in der DNA erzeugen kann. Mithilfe des Melanins kann die UV-Strahlung demnach auch noch Schaden anrichten, wenn sie selbst längst verschwunden ist – und zwar in einem nicht unbedeutenden Ausmaß: Im Experiment kam die Hälfte der DNA-Veränderungen in den Melanozyten durch diesen Mechanismus zustande.

Creme für „die Stunden danach"?

Die Ergebnisse offenbaren, das Melanin zwei Gesichter hat: Zum einen fungiert es als Schutzschild in der Haut. Das ist auch der Grund dafür, dass stark pigmentierte Menschen seltener an sonneninduziertem Hautkrebs erkranken. Auf der anderen Seite kann es aber auch negativ wirken und die Entstehung von Krebs sogar begünstigen. „Melanin macht beides, gute und schlechte Dinge", fasst Mitautor Douglas E. Brash zusammen.


Hoffnung macht den Forschern zufolge die Langsamkeit des neu entdeckten Prozesses. So könnten noch zu entwickelnde Schutzmaßnahmen den schädlichen Mechanismus unter Umständen stoppen. Zusätzlich zu den herkömmlichen Sonnencremes mit UVA- und UVB-Schutz könnten uns in Zukunft beispielsweise „Evening-after"-Cremes in den Stunden nach dem Sonnenbad schützen – etwa indem sie den angeregten Energiezustand unterdrücken.

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