An fette Nahrung angepasst

Häuser an der Küste Grönlands. Credit Malik Milfeldt

Robben- und Walfleisch und viel fetter Fisch - warum bleiben die Inuit trotz dieser extrem deftigen Ernährungsweise gesund? Die Fischöle galten lange als das Wunderelixier in der fetten Polar-Diät. Doch nun verdeutlicht eine Studie: Es ist wohl kein Nahrungsbestandteil, sondern eher eine genetische Anpassung an die fettreiche Ernährung, welche die Inuit schützt. Entsprechende Stoffwechsel-Erbanlagen haben sich demnach schon vor Jahrtausenden bei ihren Vorfahren herausgebildet.

Wer viel Fleisch und tierische Fette zu sich nimmt, hat ein erhöhtes Risiko für Herzkreislauferkrankungen, zeigen Statistiken. Man nahm lange an, dass der hohe Anteil an Omega-3-Fettsäuren in ihrer Nahrung die Ureinwohner Grönlands vor diesem Effekt schützt. Doch mittlerweile wurde zunehmend klar, dass eine erhöhte Zufuhr dieser Fette allein nicht die erhoffte Wirkung zeigt. In diesem Zusammenhang kommen die Forscher um Rasmus Nielsen von der University of California in Berkeley nun zu der Erklärung: Was für die Inuit gilt, gilt eben nicht für Jedermann.

Die Forscher kamen den genetischen Besonderheiten der einst als Eskimos bekannten Menschen durch Erbgut-Vergleiche auf die Spur: Sie untersuchten zunächst die DNA von 191 grönländischen Inuit mit weitgehend reiner Abstammungslinie. Diese Ergebnisse verglichen sie dann mit Erbgutanalysen von Personen europäischer Abstammung und von Han-Chinesen.

Angepasster Fettstoffwechsel

Die Forscher stießen dabei bei nahezu allen Inuit auf genetische Besonderheiten, die vor allem mit dem Fettstoffwechsel zu tun haben. Dagegen besaßen nur zwei Prozent der Europäer und 16 Prozent der Chinesen vergleichbare Erbgutmerkmale. Eine Gruppe der Inuit-typischen Mutationen befindet sich dabei in Genen, die für die Bildung von Enzymen verantwortlich sind, die eine Rolle beim Umbau von Fettsäuren spielen. Obwohl nicht klar ist, welches Gen oder Gene innerhalb der Gruppe für die Veränderung im Fettsäurestoffwechsel verantwortlich sind, scheint den Forschern zufolge die Bedeutung klar: „Wenn Gene, die in an der Fettsäuresynthese beteiligt sind, anders sind, ist auch das ganze Gefüge unter den Fettsäuren anders, und das hat wiederum eine Menge Folgewirkungen", sagt Anders Albrechtsen von der Universität Kopenhagen.

Die Forscher fanden zudem weitere Hinweise auf genetische Besonderheiten mit relevanter Wirkung. Beispielsweise solche, die mit einem Schutz gegen oxidativen Stress im Zusammenhang mit hoher Fettaufnahme verbunden sind oder mit der Differenzierung von Fettzellen. Unterm Strich zeichnet sich den Forschern zufolge ab, dass die Inuit eine Sammlung genetischer Variationen besitzen, die sich bei einer fett- und eiweißreichen Ernährung günstig auswirken. "Es ist faszinierend, dass die Grönländer über eine einzigartige genetische Ausstattung verfügen, mit der sie ihre traditionellen Nahrungsquellen besser nutzen können", sagt Co-Autor Matteo Fumagalli vom University College London.

Ein altes Erbe

Die Forscher fanden genetische Hinweise darauf, dass die Anpassungen bereits vor 20.000 Jahren entstanden sind. Sie könnten somit auf die Vorfahren der amerikanischen Urbevölkerung zurückgehen, die einst in Sibirien lebten, bevor sie über die Beringstraße nach Nordamerika einwanderten. "Wir vermuten, dass es sich um ein altes Erbe handelt, das bereits den Menschen der letzten Eiszeit bei der Anpassung an ihre Lebensbedingungen geholfen hat", sagt Fumagalli.

Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Eine kurzweilige Führung durch den Bienenstock mit einer erhellenden Dosis Wissenschaft – das bietet das Buch "Die Honigfabrik" von Jürgen Tautz.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe