"Mütterliche Lotion" für Kaiserschnitt-Babys

Mit einem Schwämmchen gelangen die "guten" Keime auf das Baby. (Illustration: Kim Caesar/Nature Publishing Group

Gelangt ein Baby auf dem natürlichen Weg ins Licht der Welt, wird es mit einem speziellen Schatz ausgerüstet: mit den "guten" Bakterien der Vaginalflora, die für die Entwicklung eines gesunden Immunsystems wichtig sind. Bei einem Kaiserschnitt fehlt diese natürliche Mikroben-Behandlung allerdings. Ein Forscherteam hat nun jedoch gezeigt, dass eine nachträgliche "Einreibung" mit den mütterlichen Vaginal-Sekreten auch einem Kaiserschnitt-Baby eine günstigere Mikrobengemeinschaft ermöglichen kann.

In und auf uns wimmelt es von Bakterien - die Forschung der letzten Jahre hat immer deutlicher gezeigt, wie wichtig dabei die richtigen Untermieter für die Gesundheit eines Menschen sind. Vor allem für die Entwicklung des Immunsystems scheint der frühe Kontakt mit bestimmten Bakterienarten wichtig zu sein. Studien legen in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung der mütterlichen Mikroben nahe, die ein Baby beim Weg durch den Geburtskanal verpasst bekommt. Die zunehmende Häufigkeit von Allergien und Autoimmunerkrankungen könnte deshalb mit den steigenden Zahlen an Kaiserschnitt-Geburten zusammenhängen. Untersuchungen bestätigen, dass sich die Art der Geburt klar auf die Zusammensetzung der Mikrobengemeinschaft eines Babys auswirkt: Bei natürlich geborenen Kindern ähnelt dieses sogenannte Mikrobiom der Scheidenflora der Mutter, bei Kaiserschnitt-Babys hingegen der ihrer Hautflora.

Eingerieben mit mütterlichen Vaginal-Sekreten

Die Forscher um Maria Dominguez-Bello von der New York University sind nun der Frage nachgegangen, inwieweit sich die Mikrobengemeinschaft eines Kaiserschnitt-Babys der eines natürlich geborenen Kindes durch eine nachträgliche Behandlung angleichen lässt. Das Verfahren: Eine Stunde vor einem geplanten Kaiserschnitt platzierten die Forscher ein kleines Schwämmchen in die Vagina von vier Probandinnen. Sofort nach dem Kaiserschnitt rieben sie das Neugeborene damit ab und benetzen auch seinen Mund mit dem Schwämmchen, das die Vaginalflora der Mutter trug.

In der folgenden Zeit untersuchten die Wissenschaftler dann, wie sich die Mikrobengemeinschaften der Babys entwickelten. Genetische Testmethoden gaben dabei Aufschluss, welche Bakterienarten das Mikrobiom des Kindes charakterisierten. Es zeigte sich: Im Gegensatz zu Kaiserschnitt-Babys ohne Behandlung wiesen die Test-Kinder Bakterien-Profile auf, die denen von natürlich geborenen Babys ähnelten. Konkret besiedelten sie verstärkt Bakterien, die zur Gruppe Lactobacillus und Bacteroides gehören. Frühere Studien haben bereits nahegelegt, dass gerade diese Mikroben für die günstige Entwicklung des kindlichen Immunsystems wichtig sind. "Unsere Studie ist die erste, die eine Möglichkeit zur teilweisen Versorgung von Kaiserschnitt-Babys mit einem natürlichen Mikrobiom demonstriert", resümiert Dominguez-Bello.

Die Forscher betonen, dass ihre Ergebnisse nun weiter bestätigt werden müssen, denn es handelt sich bisher nur um eine kleine Pilotstudie. Außerdem seien nun Studien nötig, die den erhofften gesundheitlichen Langzeit-Effekt der Behandlung bestätigen. "Die bisherigen  Ergebnisse belegen aber zumindest, dass unsere Methode es wert ist, weiter untersucht und fortentwickelt zu werden", so Dominguez-Bello.

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