Wo Großzügigkeit entsteht

Prosoziales Verhalten hält Beziehungen und Gesellschaften zusammen. (Bild: kieferpix/iStock)

Was passiert im menschlichen Gehirn, wenn wir gut zu anderen sind? Über die Hintergründe dieses sogenannten prosozialen Verhaltens ist bislang wenig bekannt. Nun haben Forscher eine Hirnregion identifiziert, die bei großzügigen Verhaltensweisen eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Dieses "freundliche" Zentrum ist offenbar bei empathischen Menschen besonders aktiv. Die Ergebnisse könnten auch helfen, Neigungen zu extrem antisozialem Verhalten besser zu verstehen.

Hilfsbereitschaft, Großzügigkeit, anderen etwas Gutes tun - diese Verhaltensweisen werden auch oft als Menschlichkeit umschrieben, worin sich ihre fundamentale Bedeutung widerspiegelt: Prosoziales Verhalten ist der Kitt, der private Beziehungen und die menschlichen Gesellschaften zusammenhält. Den psychologischen und neuronalen Grundlagen dieser wichtigen Verhaltensweisen sind die Forscher um Patricia Lockwood vom University College London auf der Spur.

Experimentelles Lernen zum Wohl anderer

"Obwohl Menschen im allgemeinen eine bemerkenswerte Neigung haben, sich prosozial zu verhalten, gibt es doch erhebliche Unterschiede zwischen den Individuen", sagt Lockwood. Empathie, die Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen, gilt in diesem Zusammenhang als ein wichtiger Motivator von prosozialem Verhalten – wir wollten diesem Zusammenhang nun genauer nachgehen", so die Hirnforscherin.

Sie und ihre Kollegen führten dazu Versuche mit 31 Freiwilligen durch, bei denen sie zunächst das Niveau der Empathie-Fähigkeit ermittelten. Diese nahmen anschließend an experimentellen Spielen teil: Sie mussten nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum erlernen, welche Symbole auf einem Bildschirm mit einer Belohnung verknüpft sind. In einigen Versuchsdurchläufen bekamen sie selbst die Belohnung, in anderen sollten sie hingegen für das Wohl eines Mitmenschen die Belohnungssymbole erlernen und richtig auswählen. Während dieser Experimente untersuchten die Wissenschaftler die Hirnaktivität der Probanden mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT).

Eine "herzliche" Hirnregion

In den Ergebnissen spiegelte sich zunächst einmal eine egoistische Grundtendenz wider: Die Probanden lernten schneller, wenn es darum ging, selbst zu profitieren. Doch sie waren durchaus auch zum Lernen für das Wohl anderer bereit. Im Rahmen dieses Verhaltens identifizierten die Forscher einen Hirnbereich, der im prosozialen Kontext eine Rolle zu spielen scheint. "Ein bestimmter Teil des Gehirns - der anteriore cinguläre Cortex - wurde aktiviert, wenn es um das Lernen für andere Menschen ging. Diese Hirnregion scheint demnach mit dem Wohl anderer verknüpft zu sein", sagt Lockwood.

Wie sich abzeichnete, war diese Hirnregion aber nicht bei allen Probanden gleichermaßen aktiv. Diejenigen, die als besonders empathisch eingestuft worden waren, zeigten im anterioren cingulären Cortex besonders starke Aktivitäten. Sie erlernten im Gegensatz zu empathisch niedriger eingestuften Studienteilnehmern auch deutlich schneller die richtigen Symbole, wenn es darum ging, anderen zu helfen.

Den Forschern zufolge könnten diese Ergebnisse neben der wissenschaftlichen Bedeutung durchaus auch einen Wert für die Praxis haben: "Durch Informationen über Hirnaktivitäten bei prosozialem Verhalten und über individuelle Unterschiede in dieser Fähigkeit, können wir besser verstehen, was im Verstand von Menschen schief läuft, die sich extrem antisozial verhalten", sagt Lockwood.

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