Unterbewusst gegen Phobien

Manche Situationen, Objekte oder Tiere können Phobikern Angst machen. (Foto: iStock/GerMan101)

Wenn unbegründete Ängste die Lebensqualität zerstören, gibt es Hilfe: Eine sogenannte Konfrontationstherapie kann Phobien lindern. Doch das Verfahren "Stell dich bewusst deinen Ängsten" ist für die Betroffenen eine enorme psychische Belastung – und schlicht beängstigend. Einer Studie zufolge lässt sich diese Hürde aber möglicherweise senken: Unterbewusst wahrgenommene Bilder von Angstauslösern scheinen im Gehirn ähnliche Reaktionen hervorzurufen wie die bewusste Konfrontontation mit dem Angstobjekt.

"Ach stell dich doch nicht so an!" Nicht-Betroffene schmunzeln gelegentlich über die unbegründeten Ängste von Phobikern - das gilt besonders für eine der verbreitetsten Angststörungen: die Furcht vor Spinnen. Bei vielen der sogenannten Arachnophobiker reichen schon Bilder von den harmlosen Krabbeltieren aus, um die Angst auszulösen. Einige trauen sich beispielsweise nicht einmal mehr in den Keller oder fühlen sich in einem Garten ständig von Spinnen bedroht. Dies kann die Lebensqualität deutlich einschränken oder sogar zu Panikattacken führen.

Spinnenbilder flackern unmerklich auf

Wie bei anderen Phobien hat sich auch bei der Spinnenangst die Konfrontationstherapie bewährt. Dabei wird dem Patienten bei mehreren Sitzungen das Objekt seiner Angst Schritt für Schritt immer näher gebracht, bis seine Furcht schwindet. Allerdings setzt diese Therapieform die Betroffenen natürlich zunächst unter starken Stress, da sie sich dem Angstauslöser bewusst stellen müssen. Die Ergebnisse der Forscher um Paul Siegel von der State University of New York legen nun nahe, dass eine sanftere Herangehensweise möglich wäre.

An ihrer Studie nahmen 21 Spinnen-Phobikerinnen und 21 nicht betroffene Kontroll-Probandinnen teil. Die Forscher wählten weibliche Studienteilnehmer, da es sich bei 75 bis 80 Prozent der Menschen mit Angststörungen um Frauen handelt. Alle Probandinnen wurden an einem Bildschirm mit drei verschiedenen visuellen Eindrücken konfrontiert, während die Forscher ihre Hirnaktivität mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) erfassten.

Bei den Kontrollbildern handelte es sich um Fotos von Blumen. Um hingegen die Phobie-Effekte auszulösen, sahen die Frauen Bilder von Spinnen. Allerdings in zwei Versionen: Einmal deutlich sichtbar, im anderen Fall aber durch ein Verfahren, das Rückwärtsmaskierung genannt wird. Dabei wurde das Spinnenbild nur extrem kurz gezeigt, gefolgt von einem harmlosen Foto. Auf diese Weise ist der Menschen nicht in der Lage, eine Bildinformation bewusst zu erfassen. Allerdings ist bekannt, dass das Gehirn durchaus auf die kurze Bildinformation reagieren kann.

Günstige Hirnreaktionen zeichnen sich ab

Die Auswertungen der Hirnscans zeigten: Bei den Teilnehmerinnen mit Phobie wurden durch die unterbewusst wahrgenommenen Spinnenbilder die subkortikalen Regionen des Gehirns aktiviert, von denen eine Rolle im Rahmen von Angst-Verarbeitung bekannt sind. Sie entwickelten aber dadurch kein bewusstes Angstgefühl. Den Forschern zufolge wurden nämlich auch Gehirnregionen aktiviert, die Angst regulieren. Bei den deutlich sichtbaren Spinnenbildern blieben diese Bereiche des Gehirns hingegen deaktiviert, wodurch eine bewusste Erfahrung der Angst entstand.

"Das Gehirn scheint besser in der Lage zu sein, Angst-Reize zu verarbeiten, wenn sie unbewusst präsentiert werden", resümiert Siegel. "Unsere Ergebnisse deuten deshalb darauf hin, dass Phobiker besser darauf vorbereitet sein könnten, sich ihren Ängsten zu stellen, wenn sie sich zunächst nicht bewusst darüber sind, dass sie gerade mit ihnen konfrontiert werden", so der Wissenschaftler. In wie weit das Verfahren allerdings tatsächlich die erhofften Positiveffekte im Rahmen einer Konfrontationstherapie bringt, müssen nun erst noch weitere Tests zeigen.

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