Komplizen der Pollen-Allergene aufgedeckt

Pollenallergie vermiest vielen Meschen das Frühjahr. (Foto: Photodjo/iStock)

Rote Augen, Triefnase und Juckreiz: Besonders im Frühjahr plagt viele Menschen Pollenallergie. Verantwortlich dafür sind Allergene in den winzigen Pflanzen-Partikeln – doch offenbar haben sie zusätzliche Helfer, berichten Forscher: Nicht-allergene Substanzen aus Pollen verschlimmern die unangenehme Immunreaktion, zeigen Versuche. Diese Erkenntnis könnte nun helfen, Behandlungserfolge zu verbessern.

Die Täter schienen klar: Lange hat sich die Allergie-Forschung nur auf die Allergene konzentriert – die Bestandteile von Pollen, welche die problematische Immunreaktionen auslösen. Beim Kontakt mit Schleimhäuten setzt Pollen allerdings nicht nur diese Allergene frei, sondern auch viele andere Substanzen. In einer Pilotstudie hat ein Forscherteam der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz-Zentrums München nun erstmals die Wirkung dieser Stoffe auf Allergiker untersucht.

"Kastrierte" Extrakte im Test

Bei ihrer Studie konzentrierten sich die Forscher auf einen besonders berüchtigten Allergieauslöser im Frühjahr: Birkenpollen. Hauptverursacher der problematischen Abwehrreaktion des Immunsystems ist ein Protein namens Bet v 1. Für ihre Untersuchungen haben die Forscher dieses Allergen aus Extrakten von Birkenpollen gezielt herausgefiltert. Es blieben nur noch die nicht-allergenen niedermolekulare Substanzen des Birkenpollens in den Proben übrig. Diese setzten die Forscher dann in verschiedenen Kombinationen aus Allergen und niedermolekularen Substanzen bei Prick-Test auf der Haut von Pollen-Allergikern ein. Außerdem verabreichten sie den Testpersonen einige der Mischungen über die Nase.

Wie zu erwarteten war, verursachten die niedermolekularen Substanzen allein keinerlei Effekte. Erst in Kombination mit den Allergenen zeigte sich ihr problematischer Beitrag: Sowohl beim Prick-Test als auch bei der Aufnahme über die Nase waren die Reaktionen deutlich stärker, wenn nicht nur das Allergen allein, sondern zusätzlich auch die niedermolekularen Substanzen verabreicht wurden. Mit anderen Worten: Pieksten die Forscher beide zusammen in die Haut der Probanden, bildeten sich besonders starke Rötungen und in der Nase sorgte die Mischung für verstärkte Schleimbildung und intensivere Antikörper-Produktion.

Kombinationseffekte belegt

Weitere Tests zeigten dann: Das "kastrierte" Extrakt aus Birkenpollen löste nicht nur bei  Birken-Allergikern Reaktionen aus. Die verstärkende Wirkung zeigte sich auch bei Menschen, die gegen Gräserpollen allergisch waren und das entsprechende Allergen in Kombination mit dem Birkenpollen-Extrakt verabreicht bekamen. Dies lässt sich offenbar plausibel erklären: "Die entzündliche Wirkung der niedermolekularen Bestandteile ist ein unspezifischer Effekt, der nicht mit einem bestimmten Allergen zusammenhängt", sagt Claudia Traidl-Hoffmann von der Technischen Universität München.

Für den Allergie verstärkenden Effekt ist wahrscheinlich ein Zusammenspiel verschiedener der rund niedermolekularen 1000 Substanzen verantwortlich, sagen die Forscher. "Der menschliche Organismus ist komplex. Man kann nicht erwarten, dass die Ursache für die Entstehung von Allergien auf eine einzige Substanz herunterbrechen lässt", sagt Traidl-Hoffmann. 

Die Erkenntnis, dass auch nicht-allergene Substanzen in Pollen Einfluss auf die Reaktion des Körpers haben, könnte nun die Behandlung von Allergien verändern, sagen die Wissenschaftler. Beispielsweise könnte der Effekt eine Rolle bei der spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) spielen. Dabei verabreichen Ärzte Flüssigkeiten, die Pollen mit allen Bestandteilen enthalten. "Derzeit schlagen nur 60 bis 70 Prozent der Hyposensibilisierungstherapien an", sagt Traidl-Hoffmann. Ein Grund dafür könnten die nicht-allergenen aber entzündungsfördernden Inhaltsstoffe sein, die sich negativ auf die Behandlung auswirken.

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