Malaria: Wunsch und Wirklichkeit

An Malaria erkranktes Kind in einem Krankenhaus in Uganda. Zwei Drittel der Malaria-Toten sind Kinder unter fünf Jahren. (Foto: mauritius images/AfriPics.com/Alamy)

Die Euphorie war groß: 2015 stand der erste Malaria-Impfstoff kurz vor der Zulassung durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA). Die von der Pharmafirma GlaxoSmithKline entwickelte Vakzine RTS,S sollte Kinder in Afrika vor der gefährlichen Infektion schützen, die laut Schätzungen allein 2015 fast 430.000 Menschen tötete ("Hoffnung für Millionen Kinder", bild der wissenschaft 8/2015), 92 Prozent davon in Afrika. Es fehlte nur noch das positive Urteil der Weltgesundheitsorganisation (WHO), und die von Malaria betroffenen Länder hätten RTS,S in ihre Impfprogramme aufnehmen können.

Doch Amadeus von der Oelsnitz, der viele Jahre für "Ärzte ohne Grenzen" in afrikanischen Malaria-Gebieten arbeitete, bringt es auf den Punkt: "Das Problem ist, dass man den Impfstoff möglichst zu allen Kindern bringen müsste – über Generationen hinweg." Und das droht an der Logistik zu scheitern. Die WHO sah das ähnlich: Sie schloss sich dem positiven Urteil der EMA nicht an, sondern forderte „Implementierungsstudien", die prüfen sollen, ob sich der Impfstoff in der Praxis einsetzen lässt.

"Das Urteil ist nachvollziehbar", sagt Peter Kremsner, Direktor am Institut für Tropenmedizin in Tübingen und Mitentwickler des Impfstoffs. Das Problem: RTS,S muss vier Mal in vorgegebenen Intervallen verabreicht werden, um bestmöglich wirksam zu sein. "In Ländern mit schwachem Gesundheitssystem ist das schwierig", betont Kremsner.

Eine Impfung schützt bis zu vier Jahre lang

Die WHO fordert zudem, die Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs weiter zu untersuchen und zum Beispiel die Nebenwirkungen von RTS,S genau zu prüfen. Großes Aufsehen in den Medien erregte eine Studie von Forschern um Philip Bejon vom Medical Research Institute in Kenia, laut der sich nach einer Impfung das Infektionsrisiko nach anfänglichem Schutz wieder erhöht.

Während ungeimpfte Kinder, die wiederholt an Malaria erkranken, durch den häufigen Kontakt mit dem Malaria-Erreger eine natürliche Immunität entwickeln können, sieht das nach einer Impfung anders aus: Sie schützt Kinder bis zu vier Jahre lang – anschließend können sie sich wieder mit dem Wechselfieber infizieren. "Doch insgesamt werden durch RTS,S viel mehr Fälle von Malaria verhindert", sagt Kremsner. Im Februar weckte ein anderer Impfstoff, den Tübinger Forscher entwickelt haben, neue Hoffnung. Ob zu Recht, muss sich noch zeigen.

Genetisch veränderte Mücken entwickeln Resistenzen

Malaria lässt sich jedoch nicht nur durch eine Impfung, sondern auch durch den Einsatz von Moskito-Sprays und -Netzen vorbeugen. Doch die haben viele Menschen in Afrika nicht. Und es gibt wirksame Malaria-Medikamente – allerdings sind die Malaria-Parasiten in einigen Regionen resistent gegen die Wirkstoffe, Tendenz steigend. Neue Kombinationstherapien, an deren Entwicklung Kremsner beteiligt ist, sollen helfen.

Von Manipulationen am Erbgut der Anapholes-Mücke, die den Malaria-Parasiten überträgt, mit dem Evolutions-Turbo "Gene Drive" (siehe "Kampf gegen Mücken und Malaria", bild der wissenschaft 10/2016), hält Kremsner dagegen wenig: "Schon vor 20 Jahren hat man Anopheles genetisch so verändert, dass sie keine Malaria mehr übertragen kann." Die neue "Gene Drive"-Methode sei zwar eleganter – das grundlegende Problem aber bleibe bestehen: Genetisch veränderte, in die Natur entlassene Mücken können Resistenzen entwickeln. Fazit: Das Ziel der Vereinten Nationen, Malaria bis 2030 auszurotten, wird schwer zu er­reichen sein.

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