Forscher brechen dem Krebs mit Gold die Beine

Eine Krebszelle mit den gefürchten "Füßchen". (Bild: NIH-funded image of apoptotic HeLa cell by the National Center for Microscopy and Imaging Research / Thomas Deerinck / Mark Ellisman)

"Ihr Krebs hat leider metastasiert..." Bildet ein Primärtumor Tochterkolonien im ganzen Körper, verdüstert sich die Prognose für Patienten drastisch. Um die fatale "Wanderlust" von Krebszellen zu bekämpfen, haben Forscher nun ein raffiniertes Verfahren entwickelt: Sie brechen den bösartigen Zellen gezielt die "Beine" und zwar durch Gold, das bei Bestrahlung Hitze entwickelt. Daraus könnte sich eine neue schonende Therapieform entwickeln, hoffen die Forscher.

Meist bringen erst die Metastasen den Tod: Die schlimmste Eigenschaft von Tumoren ist, dass sie Tochterkolonien in lebenswichtigen Organen bilden können. Verantwortlich dafür ist die oft erhöhte Mobilität von Krebszellen. Die natürliche Bewegungsfähigkeit vieler Körperzellen ist bei diesen entarteten Versionen mutiert: Sie bilden besonders viele beinartige Fortsätze aus, mit denen sie sich durch den Körper fortbewegen können, um vielerorts für Wucherungen zu sorgen. Auf genau diese "Beine" haben es Forscher vom Georgia Institute of Technology in Atlanta abgesehen.

Mit Gold gegen die fatale Wanderlust

Ihr Konzept basiert auf feinen Gold-Stäbchen im Nanometerbereich, die sich in Tumorgewebe spritzen lassen. Sie sind mit einem Peptid beschichtet, das sie "klebrig" gegenüber einem bestimmten Eiweiß macht, das speziell in Krebszellen an der übermäßigen Ausbildung der Beinchen beteiligt ist. Dadurch heften sich die Gold-Stäbchen an die Fortsätze der bösartigen Zellen an und blockieren dieses Eiweiß. Bereits dadurch wird die Beinchen-Bildung unterbunden und die Migrationsfähigkeit der Krebszellen eingeschränkt, berichten die Forscher. Doch der eigentliche Schlag folgt erst noch.

Das von Krebs betroffene Gewebe wird nach der Injektion mit den Gold-Stäbchen mit schwachem Laserlicht im Infrarotbereich bestrahlt. Gesunde Zellen absorbieren es kaum und werden deshalb nicht geschädigt. Anders ergeht es den Krebszellen, denn an ihnen und vor allem an ihren Beinchen kleben die Gold-Stäbchen. Sie nehmen die Strahlung auf und wandeln sie in Hitze um. Das Resultat: Die Fortbewegungs-Fortsätze werden vernichtet und sogar die ganze Krebszelle kann absterben.

Hoffnung für die Behandlung von Krebs

Soweit zum theoretischen Konzept. Dass es funktionieren kann, haben die Forscher bereits durch Laborversuche an Kulturen menschlicher Krebszellen belegt. Außerdem führten Tierversuche ebenfalls zu ermutigenden Ergebnissen. Wie die Forscher berichten, zeichnet sich ab, dass das Verfahren auf schonende Weise die Ausbreitung von Krebs eindämmen könnte.

Sie sehen derzeit vor allem Potenzial für die Behandlung von Krebs im Kopf-, Nacken- und Brustbereich- sowie von Hautkrebs. Die Gold-Nanostäbchen lassen sich in diesen Fällen zwei bis drei Zentimeter tief ins Gewebe injizieren und anschließend mit dem Nah-Infrarot-Laser behandeln. Aber auch andere Krebsarten könnte man theoretisch erreichen, wenn man gezielt in das betroffene Gewebe spritzt. "Man müsste dann den Laser durch ein faseroptisches oder endoskopisches Gerät vermitteln", sagte Co-Autor El-Sayed vom vom Georgia Institute of Technology. Man darf also gespannt sein, was sich aus dieser goldenen Methode entwickelt.

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