Fett-weg-Pflaster entwickelt

Feine Nadeln verpassen den Fettpolstern den Wirkstoff. (Bild: CUMC)

Speckröllchen an Hüfte, Po und Co – Körperfett verteilt sich bekanntlich oft nicht gleichmäßig, sondern bildet Polster, die sich schwer bekämpfen lassen. Doch das könnte sich vielleicht bald ändern: Durch ein raffiniertes Nano-Tech-Pflaster haben Forscher bei Mäusen schlechtes weißes in gutes braunes Fett verwandelt und damit die Mause-Speckröllchen zum Schmelzen gebracht. Außerdem verbesserte sich der gesamte Stoffwechsel der Versuchstiere. Die Entwickler hoffen, mit diesem Konzept nun bald auch Fettpolster sowie Stoffwechselstörungen beim Menschen bekämpfen zu können.

Fett ist nicht gleich Fett: Die berüchtigten Fettpolster bestehen größtenteils aus der Version von Fettzellen, die überschüssige Energie speichern - es handelt sich um das sogenannte weiße Fett. Genau umgekehrt wirken dagegen die sogenannten braunen Fettzellen: Wie Heizungsaggregate verbrauchen sie Energie und erzeugen dabei Wärme. Das braune Fett senkt dadurch den Blutzuckerspiegel, was mit einer Wirkung gegen Fettleibigkeit und Stoffwechselstörungen wie Diabetes einhergeht.

Weißes Fett schonend bräunen

Seit Jahren suchen Forscher nun schon nach Möglichkeiten, das weiße Fett in braunes zu verwandeln – ein Prozess, der auch natürlicherweise auftreten kann, wenn der Körper kalten Temperaturen ausgesetzt ist. "Es gibt bereits mehrere verfügbare Medikamente, die eine Bräunung des Fetts ermöglichen, aber alle müssen als Pillen oder Injektionen gegeben werden", sagt Li Qiang vom Columbia University Medical Center in New York.
"Dadurch wird aber der ganze Körper den Wirkstoffen ausgesetzt und es kann zu erheblichen Nebenwirkungen kommen".

Aus diesem Grund haben Qiang und seine Kollegen nun eine gezieltere Applikationsform entwickelt: Ein Pflaster verpasst den hartnäckigen Fettpolstern den Bräunungs-Wirkstoff direkt. Das Medikament ist dabei in Nanopartikel eingeschlossen, um eine schleichende Freigabe zu ermöglichen. Diese winzigen Gebilde sitzen wiederum in mikroskopischen Nadeln, die sich auf der Oberfläche eines Pflasters befinden. Bei der Anwendung durchbohren diese Nadeln schmerzlos die Haut und und entlassen den Wirkstoff dann allmählich in das darunterliegende Gewebe.

Mäuse-Speck zum Schmelzen gebracht

Ihr System haben die Forscher nun zunächst an Mäusen mit Fettpölsterchen getestet.  Jede Maus erhielt zwei Pflaster - eines mit wirkstoffhaltigen Nanopartikeln und ein Kontrollpflaster ohne das Fett-Bräunungs-Medikament. Platziert wurden sie an den dicken Stellen der Tiere im Bereich des Unterbauches. Die Pflaster wurden alle drei Tage ausgetauscht in einem Zeitrahmen von insgesamt vier Wochen.

Ergebnis: Im Vergleich zur Kontrollstelle verringerte sich an der behandelten Speckschicht  der Fettgehalt um 20 Prozent. Außerdem wiesen die Mäuse mit den Fett-weg-Pflastern deutlich niedrigere Blutzuckerwerte im Vergleich zu Kontrolltieren auf. Wie Untersuchungen der Wissenschaftler belegten, waren die Effekte tatsächlich auf eine Erhöhung der braunen Fettzellen zu Lasten der weißen zurückzuführen: Genetische Analysen zeigten, dass die behandelte Seite eine vergleichsweise starke Genaktivität aufwies, die mit braunem Fett assoziiert ist.

"Viele Menschen werden nun begeistert sein, dass sich eine nicht-invasive Alternative zur Fettabsaugung bei hartnäckigen Fettpolstern abzuzeichnen scheint", sagt Qiang. In der Wirkung auf den Stoffwechsel sieht er aber sogar noch das größere Potenzial: "Was noch wichtiger sein könnte ist, dass unser Pflaster zu einem Mittel zur Behandlung von Fettleibigkeit und Stoffwechselstörungen wie Diabetes werden könnte", so der Wissenschaftler.

Bevor nun allerdings Tests am Menschen folgen können, ist erst einmal noch Entwicklungsarbeit angesagt, betonen die Forscher: Sie wollen nun untersuchen, welche Medikamente oder Wirkstoff-Kombinationen am besten geeignet sind, um beim Menschen die lokale Bräunung des Fetts zu fördern und den Gesamtstoffwechsel zu erhöhen. Man darf gespannt sein, was sich aus dem Konzept Fett-weg-Pflaster entwickeln wird.

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