Warum sind Pflanzen ausgerechnet grün?

Von allen Farben ist Grün das Symbol für die Natur. (Foto: ivanastar/iStock)

Es ist Sommer, die Pflanzen stehen in vollem Saft – die Welt erstrahlt in einem satten Grün. Diese Farbe ist geradezu ein Symbol für die Natur, sogar Parteien unterstreichen damit ihre ökologische Gesinnung. Aber warum sind Pflanzen denn überhaupt grün und nicht schwarz, weiß oder gar lila? Das hat uns Sebastian T. gefragt. Vielen Dank dafür.

Die Antwort weiß Tatjana Kleine vom Lehrstuhl für Botanik der Ludwig-Maximilians-Universität in München: "Das hat mit einer der Grundlagen des Lebens zu tun: Der Photosynthese, über die Pflanzen Licht in chemische Energie wie beispielsweise Zucker umwandeln". Die Farbe eines Gegenstandes bestimmt immer die Lichtfarbe, die er reflektiert. Im Fall der Pflanzen handelt es sich um Licht der Wellenlänge Grün. "Für die Photosynthese brauchen die Pflanzen nur das blaue und rote Licht, das grüne bringt ihnen nichts und sie spiegeln es einfach zurück", erklärt Kleine. Das ist der Grund, warum Pflanzen eine grüne Farbe haben.

Pigmente mit "Grünlücke"

Man spricht in diesem Zusammenhang sogar von der "Grünlücke" – sie bezeichnet den Bereich zwischen 490 und 620 Nanometern des Sonnenlichtes, welcher außerhalb des Absorptionsspektrums der Pflanzen liegt. Konkret sind es die sogenannten Chlorophylle, die den Pflanzen ihre grüne Farbe verleihen. Mit Hilfe dieser Pigmente können sie die Licht-Energie aufnehmen. Sie nutzen die Blätter dabei wie Solarzellen, die sie zur Energiegewinnung ins Licht recken. Sie erzeugen allerdings nicht Strom, sondern chemische Energie: Pflanzen verwandeln die energiearmen Verbindungen Kohlendioxid und Wasser in energiereiche Substanzen – die Kohlenhydrate. Sie bilden auch die Lebensgrundlage des Menschen, denn die Energie, die wir über das Essen zu uns nehmen, hat letztlich einmal eine Pflanze zu Beginn der Nahrungskette aus Sonnenlicht erzeugt.

Warum manche Blätter dennoch bunt sind

Aber wie kommt es, dass manche Pflanzen gar keine grünen Blätter haben, sondern rote, wie beispielsweise die Blutbuchen oder manche Zierpflanzen? "Eigentlich sind auch diese Pflanzen grün", erklärt Kleine, "das Grün wird nur von anderen Farbstoffen überdeckt, den so genannten Anthocyanen". Diese roten Pigmente bilden manche Pflanzen als Schutz gegen zu starkes UV-Licht, so ähnlich wie der Mensch eine braune Haut bekommt. Unter diesem roten Kleid verstecken sich aber ebenfalls die grünen Chlorophylle und sammeln die Energie des Sonnenlichts.

Wenn Sie auch eine Frage für unsere Rubrik "Nachgefragt" haben, schicken Sie uns einfach eine E-Mail an: fragen@wissenschaft.de

Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Der italienische Ökologe und Insektenforscher Gianumberto Accinelli erklärt Dominoeffekte in der Natur kindgerecht und mit einer Prise Humor. Sein Sachbuch ist Wissensbuch des Jahres 2017 in der Kategorie Perspektive.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe