Pandas: keine Entwarnung

Bedrohte Bambusfresser: Riesenpandas haben es nicht leicht (Foto: Banbin Li)

Auf den ersten Blick sind die Riesenpandas eine Erfolgsgeschichte des Artenschutzes. Denn die Bestände der schwarz-weißen Bambusfresser sind wieder leicht gewachsen. Doch Forscher warnen vor verfrühtem Jubel: Die Lebensräume der Pandabären scheinen sich zwar insgesamt zu erholen, sie werden aber immer stärker durch Straßen und andere Infrastrukturen zerstückelt. Dadurch sind viele Pandapopulationen inzwischen voneinander isoliert und verstärkt vom Aussterben gefährdet.

Die schwarzweißen Riesenpandas sind eine echte Ikone des Artenschutzes. Kaum eine andere Tierart ist so populär und hat so große Schutzbemühungen ausgelöst wie diese in den Bambuswäldern entlegener Gebirgsregionen Asiens heimischen Bären. Inzwischen scheinen die Schutzmaßnahmen erste Erfolge zu zeigen: Vor Kurzem hat die Internationale Naturschutzunion IUCN den offiziellen Status der Riesenpandas auf der Roten Liste geändert: Statt "Stark gefährdet" gelten die schwarzweißen Bären jetzt nur noch als "gefährdet". Denn Erhebungen hatten gezeigt, dass die Zahl der Riesenpandas seit 1988 wieder zugenommen hat. "Das ist natürlich ein ermutigendes Zeichen", sagt Koautor Stuart Pimm von der Duke University. "Aber meine Kollegen und ich wollten auch wissen, wie sich die Pandahabitate in den letzten vier Jahrzehnten verändert haben. Denn die Größe und die Verknüpfung des Lebensraums einer Art ist ein wesentlicher Faktor für sein Aussterberisiko."

Lebensraum noch immer kleiner als früher

Für ihre Studie haben Pim und seine Kollegen daher die Pandahabitate in deren gesamtem Verbreitungsgebiet einer ausgiebigen Prüfung unterzogen. Anhand von Satellitenaufnahmen und Fernerkundungsdaten untersuchten sie, wie sich die Bambuswälder von 1976 bis 2013 entwickelt haben. Dabei berücksichtigten sie sowohl die jeweilige Ausdehnung dieses Panda-Lebensraums als auch Störungen durch Landwirtschaft, Straßen, Siedlungen oder andere menschliche Aktivitäten.

Die gute Nachricht: "Die Einrichtung von Naturschutzgebieten hat den Habitatverlust stark verringert und zur Erholung vieler Lebensräume geführt", berichten die Forscher. So wuchsen die für Pandas geeigneten Waldgebiete in diesen Schutzregionen von nur drei Prozent im Jahr 1976 auf 33 Prozent im Jahr 2013. Allerdings: Zwei Drittel der Panda-Habitate liegen außerhalb dieser Schutzgebiete – und für diese ist die Entwicklung nur bedingt positiv. Betrachtet man den gesamten Lebensraum der Pandas, dann ist dieser von 1976 bis 2001 um knapp fünf Prozent geschrumpft, von 2001 bis 2013 hat er aber nur um 0,4 Prozent wieder zugenommen. "Damit hat selbst die leichte Erholung der Habitate den vorherigen Verlust noch nicht wieder ausgeglichen", konstatieren die Wissenschaftler.

Habitate kleiner und stärker zerteilt

Hinzu kommt: Die durchschnittliche Größe der Bambuswald-Habitate ist heute um rund 13 Prozent geringer als im Jahr 1988, als die Pandas ihren Schutzstatus erhielten. Wie die Auswertungen ergaben, hat die Zahl und Dichte der Straßen in den Panda-Lebensräumen auch in den letzten Jahren und Jahrzehnten weiter zugenommen. "Die Straßendichte hat sich seit 1976 fast verdreifacht, die Habitate sind dadurch stärker fragmentiert", berichten Pimm und seine Kollegen. "Pandas meiden aber Gebiete in Straßennähe." Für die scheuen Bambusfresser stellen die Straßen dadurch Barrieren dar, die verschiedenen Populationen voneinander trennen. "Zurzeit ist die Pandapopulation in 30 isolierte Gruppen zerteilt, die in sechs benachbarten Gebirgsregionen leben", so die Forscher. "18 dieser Gruppen bestehen nur noch aus weniger als zehn Tieren, sie haben daher ein hohes Risiko, auszusterben."

Zusammenfassend kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die Pandas trotz ihrer leicht gewachsenen Bestände noch lange nicht über den Berg sind – im Gegenteil. Denn die Fragmentierung ihres Habitats, aber auch der zunehmende Tourismus und der Klimawandel sind für die schwarzweißen Riesen noch immer eine erhebliche Gefahr. "Der Artenschutz ist ein dynamischer Prozess, in dem Natur und Menschen in ständigem Tauziehen ums Überleben und Gedeihen stehen", sagt Erstautor Weihua Liu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking. "Deshalb benötigen wir auch ständig neue Lösungen." Im Falle der Riesenpandas raten die Forscher dringend dazu, die Schutzgebiete aufzuweiten und gezielt grüne und geschützte Korridore zwischen den getrennten Habitaten einzurichten. "Das könnte die weitere Isolation der Pandas in kleine und nicht überlebensfähige Populationen verhindern", so Liu.

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