Mit akustischem Störfeuer gegen Rivalen

Credit: Nickolay Hristov

Geschickt flattern sie durch die Finsternis und schnappen sich Nachtinsekten direkt aus der Luft: Fledermäuse sind für ihre raffinierte Echolot-Navigation berühmt. Nun berichten US-Forscher allerdings von einem Ruf, der weder der Ortung noch der Kommunikation dient. Es handelt sich stattdessen um einen Störfeuer-Schrei: Er überlagert gezielt die Navigations-Rufe von Nahrungskonkurrenten im Anflug auf ein Insekt. So kann eine Fledermaus ihre Rivalen gleichsam akustisch blenden, damit sie die anvisierte Beute verfehlen.

Die moderne Federmausforschung hat ihre Wurzeln bereits im 18. Jahrhundert: Der italienische Wissenschaftler Lazzaro Spallanzani ließ Fledermäuse und Eulen in absolut dunklen Räumen fliegen, in denen er Seile als Hindernisse gespannt hatte. Während die Eulen orientierungslos gegen die Seile prallten, fanden sich die Fledermäuse immer noch problemlos zurecht. Dann blendete der Forscher die Tiere und führte den Versuch erneut durch. Ergebnis: Die Fledermäuse flogen nach wie vor gewandt. Als Spallanzani den Fledermäusen allerdings die Ohren versiegelte, fielen sie orientierungslos zu Boden. Damit hatte er gezeigt: Sie orientieren sich mithilfe des Gehörs - wie blieb allerdings lange unklar.

Faszinierende Rufe...

Erst die Entwicklung von Schalldetektoren für Hochfrequenztöne machte die Orientierungs-Rufe der skurrilen Tiere hörbar. So wurde klar: Sie stoßen Schreie aus, deren Echos ihnen dann ein Bild ihrer Umgebung liefern. Das System ist so fein, dass sie auch die Position von kleinen Beute-Insekten genau bestimmen können. Beim Jagdanflug stoßen sie zur höheren Auflösung dazu dichte Impulsfolgen aus – den sogenannten „feeding buzz".

Aaron Corcoran und William Connervon der Wake Forest University in Winston Salem haben nun der Mexikanischen Bulldoggfledermaus (Tadarida brasiliensis) genau zugehört.
Sie machten für ihre Untersuchungen Audio- und Videoaufnahmen der Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum in Arizona und New Mexico. Bei ihren Auswertungen fiel ihnen auf, dass die Fledermäuse bei gemeinsamer Jagd Schreie erzeugen, die sich von den normalen Echoortungssignalen und den 15 bekannten sozialen Kommunikations-Rufen unterscheiden. Die Tiere schienen diese Schreie nur auszustoßen, wenn gerade ein naher Artgenosse einen feeding buzz abgab, also gerade ein Beuteinsekt anpeilte. So entschieden sich die Forscher, diesem Ruf genauer auf den Grund zu gehen.

Akustische Waffe

Mit Lautsprechern traktierten sie dazu jagende Fledermäuse mit Aufzeichnungen dieses Schreis, wann immer sie ein Insekt anpeilten. Zur Kontrolle führten sie diese Experimente auch mit der Beschallung durch andersartige Rufe durch. Ergebnis: Wenn den Fledermäusen beim feeding buzz der Spezial-Ruf via Lautsprecher verpasst wurde, entging ihnen das Beuteinsekt besonders häufig – sie waren 73,5 Prozent weniger erfolgreich als wenn sie mit den Kontrollrufen beschallt wurden.

Den Forschern zufolge erzeugt der Stör-Schrei einen Interferenz-Effekt, der den feeding buzz so stark beeinträchtigt, dass die betroffene Fledermaus das Beutetier nicht mehr präzise orten kann und sie verfehlt. So verschafft sich das attackierende Tier die Möglichkeit, dem Nahrungskonkurrenten das Insekt wegzuschnappen. Das raffinierte Echolotsystem der Fledermäuse kann also auch zum Ziel für ein faszinierendes innerartliches Störverhalten werden, resümieren die Forscher.

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