Mit weniger Aufwand gegen Heuschnupfen

Eine neue Impfung gegen Heuschnupfen wirkt schon nach lediglich vier Spritzen. Das ist das Ergebnis einer klinischen Studie mit über 1.000 Betroffenen, in der britische Forscher den Impfstoff namens Pollinex Quattro ein Jahr lang testeten. Im Gegensatz zu herkömmlichen Immuntherapien, bei denen bis zu fünf Jahre lang immer wieder Spritzen gesetzt werden müssen, kommt der neue Ansatz mit vier Behandlungen aus, weil der Impfstoff hoch dosiert eingesetzt werden kann. Zwar verschwanden die Symptome durch die Behandlung nicht, die Geimpften fühlten sich jedoch besser, berichten die Entwickler von der britischen Pharmafirma Allergy Therapeutics plc. Sie wollen nun die Zulassung ihres Mittels in Europa für Anfang 2009 beantragen.
1.028 Allergiker aus 94 medizinischen Einrichtungen nahmen an der Studie der Phase III teil, in der Wirksamkeit und Verträglichkeit des neuen Impfstoffs getestet werden sollten. Ein Teil der Probanden erhielt ein wirkstofffreies Placebo, der Rest wurde zu Beginn der Pollensaison 2007 viermal innerhalb von vier Wochen mit Pollinex Quattro geimpft. Gemittelt über alle Geimpften sank die Schwere der Symptome im Vergleich zur Placebogruppe um etwa 13 Prozent. Bei einem Teil Untergruppe der Behandelten, die ihr Befinden zwischen Mai und September minutiös festhalten sollte, reduzierte sie sich sogar um 27 Prozent. Nebenwirkungen seien nur sehr selten aufgetreten, und wenn, habe es sich hauptsächlich um lokale Symptome wie etwa Jucken an der Einstichstelle gehandelt, berichtet das Unternehmen in einer Erklärung.

Konventionelle Hyposensibilisierungen, auch Spezifische Immuntherapien (SIT) genannt, basieren darauf, den Körper immer wieder mit kleinen Mengen der allergieauslösenden Eiweiße zu konfrontieren. Dabei wird die Dosis langsam gesteigert, bis es keine überschießende Immunreaktion mehr gibt. Im Durchschnitt dauern solche Therapien drei Jahre und erfordern etwa 100 Injektionen. Pollinex Quattro enthält zwar ebenfalls die Polleneiweiße, diese sind jedoch so modifiziert, dass sie der ersten Phase der Immunantwort des Körpers entgehen. Dadurch kann von Anfang an ohne Gefahr eine höhere Dosis gegeben werden, erklären die Forscher.

Zudem sind die Proteine mit einer Art Ankersystem ausgestattet, das es ihnen erlaubt, länger im Gewebe zu bleiben und damit ihre Wirkung auf das Immunsystem länger aufrecht zu erhalten. Schließlich enthält der Impfstoff noch einen Zusatz namens MPL, der das Immunsystem dazu bringt, von der heftigen sogenannten Th2-Reaktion auf die mildere Th1-Antwort umzuschalten. Während in Europa eine Marktzulassung bereits im ersten Quartal 2009 angestrebt ist, wird die Einführung in den USA wohl noch länger auf sich warten lassen: Dort muss die Arzneimittelzulassungsbehörde FDA erst grundsätzlich über die Verwendung von MPL entscheiden.
New Scientist, 7. Juni, S. 12

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel


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