Wie Hunde ganze Kerle bleiben können

Ein kleines Verhütungsimplantat soll in Zukunft bei Rüden die Kastration ersetzen: Eingesetzt zwischen den Schulterblättern des Tieres gibt das Plättchen über sechs Monate einen Wirkstoff ab, der sowohl die Spermienproduktion als auch die Testosteronbildung unterdrückt. Auf diese Weise werden die Hunde vorübergehend unfruchtbar und verlieren gleichzeitig aggressive Verhaltensweisen, die typischerweise mit einem hohen Testosteronspiegel einhergehen. Das Mittel namens Suprelorin, das von dem australischen Biotechunternehmen Peptech entwickelt und vertrieben wird, soll bereits in wenigen Wochen in Europa auf den Markt kommen.
Der Wirkstoff des Implantats greift an der Hypophyse, der Hirnanhangdrüse, an. Dort stimuliert er Andockstellen für ein Hormon namens GnRH so stark, dass sie auf die körpereigenen Hormonspiegel nicht mehr reagieren. Die Folge: Die Botenstoffe, die normalerweise den Befehl für die Produktion von Spermien oder die Bildung des Geschlechtshormons Testosteron übermitteln, werden nicht freigesetzt, so dass der Körper weder Keimzellen noch Hormon bilden kann.

Das Mittel habe gleich mehrere Vorteile, betonen die Entwickler. So sei die Unfruchtbarkeit reversibel, so dass der Rüde nach Ablauf der sechs Monate problemlos wieder für die Zucht eingesetzt werden könne. Auch sei für das Einsetzen des Implantats lediglich ein winziger Eingriff nötig, für den nicht einmal eine Narkose benötigt wird. Bisher seien außerdem keine Nebenwirkungen beobachtet worden. Wissenschaftler geben allerdings zu bedenken, dass es noch keine Erfahrungen beim längerfristigen Gebrauch solcher Mittel gebe. Auf Dauer könnte es ähnlich wie bei den oralen Varianten, die es bereits seit Jahren gibt, zu Komplikationen wie beispielsweise Tumorerkrankungen oder Infektionen kommen, glaubt etwa David McDowell vom britischen Tierschutzverein.

Während das Mittel in Australien und Neuseeland schon seit einigen Jahren erhältlich ist, steht die Zulassung in Europa und den USA noch aus. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMEA hat jedoch bereits eine Empfehlung ausgesprochen, das Implantat zuzulassen, so dass innerhalb der nächsten Wochen mit einer Markteinführung gerechnet werden kann. Über die Kosten gibt es allerdings noch keine Angaben. In Australien kostet eine Halbjahresdosis aktuell umgerechnet zwischen 35 und 55 Euro.

In Zukunft will Peptech ähnliche Präparate auch für Katzen und weibliche Hunde entwickeln, berichtet der "New Scientist". Auch der Einsatz bei anderen Tierarten, etwa in Zoos für die Geburtenkontrolle, werde derzeit geprüft. Seit kurzem ist in Australien außerdem ein Implantat erhältlich, dessen Wirkung zwölf statt der bisherigen sechs Monate anhält.
New Scientist, 14. Juli, S. 15

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel


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