Wie man bakteriellen Widerstand verhindert

Amerikanische Wissenschaftler haben eine neue Strategie entwickelt, um die Bildung von antibiotikaresistenten Bakterien einzudämmen: Sie blockieren die Maschinerie in der Mikrobe, die für die schnelle Veränderung des Erbguts und damit die Anpassung des Bakteriums an seine Umwelt verantwortlich ist. Dadurch wird auch verhindert, dass der Erreger Werkzeuge entwickelt, mit denen er Antibiotika unschädlich machen kann. Diese Taktik tötet die Bakterien zwar nicht direkt ab, sie macht sie jedoch anfälliger für herkömmliche Antibiotika, erklärt Floyd Romesberg vom Scripps-Forschungsinstitut in San Diego. Gleichzeitig garantiert das Prinzip, dass die wichtigen antibakteriellen Medikamente auch langfristig ihre Durchschlagskraft behalten.
Die in den vergangenen Jahren stark angestiegene Anzahl antibiotikaresistenter Bakterien hat dazu geführt, dass viele Infektionen nicht mehr mit den zur Verfügung stehenden Wirkstoffen geheilt werden können und ständig neue Antibiotika entwickelt werden müssen. Daher suchen Forscher bereits seit längerem intensiv nach Möglichkeiten, dieses Wettrüsten zwischen Bakterien und Ärzten zu stoppen oder es zumindest zu verlangsamen. Die jetzt vorgestellte Idee von Romesberg geht dabei auf eine bereits vor dreißig Jahren gemachte Entdeckung zurück: Damals zeigten Forscher, dass Bakterien keine Resistenzen entwickeln können, wenn ihnen bestimmte Gene fehlen.

Dahinter steckt ein Mechanismus, der den Bakterien eigentlich das Überleben in einer feindlichen Umwelt erleichtern soll: Solange sie unter guten Bedingungen leben, wird ihre Erbsubstanz bei jeder Teilung exakt kopiert. Geraten die Mikroben jedoch unter Stress, schalten sie die Teilungsmaschinerie um und lassen die DNA von Enzymen vervielfältigen, die so konstruiert sind, dass sie viele Fehler dabei machen. Auf diese Weise entstehen neue Genvarianten und damit auch neue, potenziell vorteilhafte Eigenschaften ? wie etwa die Fähigkeit, die sonst tödlichen Antibiotika unschädlich machen zu können.

Romesberg ist es nun gelungen, mithilfe von verschiedenen Wirkstoffen den genetischen Schalter zu blockieren, mit dem die Bakterien vom Normalbetrieb in den Notfallmodus umschalten. In ersten Tests im Labor haben sich die Substanzen bereits bewährt. So waren damit behandelte Kolibakterien im Gegensatz zu ihren unbehandelten Artgenossen nicht in der Lage, eine Resistenz gegen das Antibiotikum Ciprofloxacin zu entwickeln, berichtet der Forscher. Als nächstes will er testen, ob seine Wirkstoffe auch bei anderen Bakterien wie den notorisch widerstandsfähigen Keimen Pseudomonas aeruginosa oder Staphylococcus aureus funktionieren. Bis die Substanzen in klinischen Studien getestet werden können, wird allerdings noch eine ganze Zeit vergehen, räumt er ein.
Science, Onlinedienst

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel


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