Die Natur als Apotheke

 Die Weidenrinde enthält einen dem Aspirin verwandten Wirkstoff. Foto: André Karwath, Wikipedia
Die Weidenrinde enthält einen dem Aspirin verwandten Wirkstoff. Foto: André Karwath, Wikipedia
Die moderne Pharmazie greift bei der Entwicklung neuer Medikamente vor allem auf die Natur zurück: Mehr als zwei von drei komplett neu entwickelten pharmazeutischen Wirkstoffen sind Naturprodukte oder solchen nachempfunden, haben amerikanische Forscher herausgefunden. Auch wenn die chemische Wirkstoffforschung mit neuen automatisierten Methoden in den vergangenen Jahrzehnten sehr viel leistungsfähiger geworden ist, sind natürliche Wirkstoffe bei der Suche nach neuen Medikamenten noch immer bedeutend.
Newman und Cragg untersuchten die in den vergangenen 25 Jahren weltweit neu zugelassenen chemischen Wirkstoffe. Dabei beschränkten sie sich auf solche, die komplett neu entwickelt wurden und nicht durch geringfügige Abänderungen bekannter Medikamente entstanden sind. Nur einer von drei dieser als "new chemical entities" bezeichneten Stoffe sind komplett synthetisch, fanden die Wissenschaftler heraus. Die meisten neuen Medikamente kommen in der Natur vor, etwa in Pflanzen oder Tieren, sind mit Naturstoffen verwandt oder imitieren deren Wirkprinzip.

Zu dieser Gruppe zählen beispielsweise auch das Krebsmedikament Taxol, das natürlicherweise in der Pazifischen Eibe vorkommt, oder Aspirin: Bereits die Germanen und Kelten kochten die Rinde des Weidenbaums aus und erhielten so Extrakte, die dem bekannten Schmerzmittel verwandte Substanzen enthielten. Die Erforschung von Naturstoffen müsse vorangetrieben werden, fordern Newman und Cragg. Denn um neue Arzneimittel gegen derzeit unheilbare Krankheiten zu entwickeln, müsse das ganze Spektrum an natürlichen Wirkstoffen ausgeschöpft werden.
David Newman und Gordon Cragg (Nationales Krebsforschungszentrum, Frederick): Journal of Natural Products, DOI 10.1021/np068054v

ddp/wissenschaft.de ? Fabio Bergamin


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