Stoff aus Algen blockiert Papillomaviren

Das in vielen Lebensmitteln vorhandene Geliermittel Carrageen hat eine gute Wirkung gegen das Humane Papillomavirus (HPV). Dieses durch Geschlechtsverkehr übertragene Virus kann bei Frauen zu Gebärmutterhalskrebs und Genitalwarzen führen. Im Reagenzglas verhindert Carregeen das Andocken des Virus an menschliche Zellen, fanden amerikanische Forscher um den Krebsmediziner Christopher Buck heraus. Kurioserweise befindet sich Carrageen bereits in einigen Sex-Gleitmitteln, ohne dass die HPV-hemmende Wirkung bekannt war. Ob Carregeen tatsächlich vor einer HPV-Infektion schützt, müssen nun klinische Studien zeigen.
Die Forscher testeten mehrere Dutzend Substanzen auf eine abtötende oder blockierende Wirkung auf das HP-Virus. Dazu griffen sie auf ein Verfahren zurück, mit dem sie die Viren in hoher Konzentration in einem Reagenzglas vermehren konnten. Dass Carrageen als Testsieger hervorging und selbst gegenüber der zweitbesten Substanz eine hundertfach höhere Wirksamkeit zeigte, überraschte selbst die Forscher. Bekannt war immerhin schon, dass auch Herpes-Viren und der Aids-Erreger HIV empfindlich gegen den Wirkstoff Carrageen sind. Doch die beste Wirkung erzielt Carrageen gegen das Humane Papillomavirus, berichten die Forscher.

Da Carrageen nicht nur in Lebensmitteln als Geliermittel vorkommt, sondern auch in einigen Sex-Gleitmitteln, machten die Forscher die Probe aufs Exempel: Sie träufelten die handelsüblichen Produkte ins Reagenzglas zu den Viren. Dabei stellten sie fest, dass Gleitmittel selbst in millionenfacher Verdünnung HPV blockieren. Damit sei aber noch kein Wirksamkeitstest im realen Leben bestanden, betonen die Forscher. Ein Nachweis wäre nur durch klinische Untersuchungen erbracht.

Obwohl eine Impfung gegen HPV als Verursacher des Gebärmutterhalskrebses in manchen Ländern bereits zugelassen ist, sei die Wirkstoffsuche gegen das Virus noch zeitgemäß, erklärt Buck. Einerseits sei zu vermuten, dass die Impfung nicht gegen alle HPV-Typen schützt. Zum anderen sei die Impfung für Frauen beispielsweise in den Entwicklungsländern zu teuer. Weltweit sterben rund 250.000 Frauen jährlich an Gebärmutterhalskrebs. In Deutschland wird die Krankheit bei rund 6.500 Frauen im Jahr festgestellt.
Christopher Buck (Nationales Krebszentrum der USA, Bethesda) et al.: PLoS Pathogens (doi: 10.1371/journal.ppat.0020069)

ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer


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