Forscher: Komplikationen auch bei der Abtreibungspille

Eine Abtreibung mit der so genannten Abtreibungspille RU 486 ist möglicherweise nicht so sanft und sicher wie häufig angenommen. Das sagen zwei US-Medizinerinnen nach der Analyse einer Datenbank der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA, die eine ganze Reihe Berichte über lebensbedrohliche und vereinzelt tödliche Komplikationen bei der Behandlung mit der Pille umfasst. Die häufigsten Probleme waren schwere Blutungen und Infektionen.
Die Abtreibungspille RU 486 ist seit 1999 in Deutschland zugelassen und wird unter dem Handelsnamen Mifegyne vertrieben. Sie enthält das Antigestagen Mifepriston, das dem weiblichen Hormon Progesteron entgegenwirkt: Es macht die Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut rückgängig, die es dem Embryo ermöglicht haben, sich einzunisten und zu entwickeln. Die Folgen sind eine Rückbildung und anschließende Abstoßung der Schleimhaut, bei der das Ungeborene ebenfalls abgestoßen wird. Die Pille gilt als sanfte Alternative zur chirurgischen Abtreibung, unter anderem, weil bei der medikamentösen Methode Verletzungen der Schleimhaut durch chirurgische Instrumente ausgeschlossen sind.

Häufigkeit und Schwere der Nebenwirkungen seien jedoch bislang unterschätzt worden, erklären Gary und Harrison nun. Bei ihrer Analyse der FDA-Daten aus den vergangenen vier Jahren fanden die Medizinerinnen Berichte über heftige Blutungen, Infektionen und in einigen Fällen über lebensbedrohliche septische Schocks. Gemeldet wurden auch gescheiterte Schwangerschaftsabbrüche, die zu starken Fehlbildungen bei den überlebenden Kindern führten. Außerdem gab es verschiedene Berichte über allergische Reaktionen, die teilweise so schwer waren, dass die Patientinnen stationär behandelt werden mussten ? eine Nebenwirkung, die bislang praktisch unbekannt war, schreiben die Forscherinnen.

Bei der Entscheidung zwischen einem chirurgischen Schwangerschaftsabbruch und einer Abtreibung durch RU-486 sollten daher auch die möglichen Risiken durch die Abtreibungspille beachtet werden, kommentieren die Forscherinnen. Einen direkten Vergleich der Risiken beider Verfahren ziehen die Forscherinnen in ihrer Studie jedoch nicht.
Margaret Gary (Virginia Beach), Donna Harrison (Eau Claire): Annals of Pharmacotherapy, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1345/aph.1G481

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel/Ulrich Dewald


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