Epilepsie-Medikament soll Kokainsucht heilen

Amerikanischen Wissenschaftlern ist es zum ersten Mal gelungen, Drogensucht medikamentös zu behandeln. Mithilfe eines weltweit verwendeten Epilepsiemedikaments befreiten sie Kokainabhängige von der Sucht und verbesserten deren Lebensqualität. Der Wirkstoff mit dem Namen Gamma-Vinyl-GABA (GVG) reduziert offenbar das nach Kokainkonsum übliche Hochgefühl, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift "Synapse" (Online-Veröffentlichung vom 22. September).
Mehr als 250.000 Kinder wurden bereits mit GVG behandelt, das auch unter dem Handelsnamen Sabril bekannt ist. GVG hilft gegen Epilepsie, indem es die Konzentration von GABA erhöht, einem wichtigen Botenstoff im Gehirn. Außerdem konnte die Substanz in Tierversuchen eine übermäßige Bildung des Botenstoffs Dopamin verhindern, welcher das für viele Drogen typische Wohlgefühl hervorruft. Auf diesem Weg unterdrückt GVG die suchtfördernde Wirkung von Kokain, so dass die Droge für den Konsumenten uninteressant wird.

Die Wissenschaftler um Jonathan Brodie von der Universität in New York untersuchten nun die Wirkung von GVG auf 20 Personen, die seit mindestens drei Jahren kokainabhängig waren. Die Studienteilnehmer nahmen GVG über sieben Wochen hinweg in bestimmten Mengen ein und stoppten gleichzeitig ihren Drogenkonsum. Zudem standen sie unter psychologischer Betreuung.

Seit mehr als zwei Monaten leben nun 40 Prozent der Abhängigen ohne Drogen und seit dem Absetzen des Medikamentes auch ohne GVG. Sie haben zugenommen und Arbeit gefunden, freut sich Brodie. Ihren Berichten zufolge war das Bedürfnis nach Kokain bereits nach zwei bis drei Wochen verschwunden. Acht der übrigen Personen haben die Studie vorzeitig abgebrochen, drei der restlichen vier konnten ihren Drogenkonsum um 50 bis 80 Prozent reduzieren.

Die einzigen Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen und eine leichte Schlaflosigkeit, erklären die Forscher. Damit biete sich hier zum ersten Mal eine effektive medikamentöse Behandlung von Drogensucht, die allerdings noch durch weitere Studien bekräftigt werden müsse.
ddp/bdw ? Stefanie Offermann


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