Wirkstofffrei einschläfernd

 Credit: Thinkstock
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Mit dem Schließen der Augen ist es leider oft nicht getan: Millionen Menschen leiden unter Einschlafstörungen, wälzen sich in ihren Betten, bis sie der Leidensdruck schließlich zum Arzt treibt ? ein Schlafmittel soll den ruhelosen Nächten ein Ende bereiten. Was Ärzte in diesem Fall häufig verschreiben, hilft auch tatsächlich, das bestätigt nun eine aktuelle Studie. Aber: Nur die Hälfte des Effekts der Schlafmittel geht von den enthaltenen Substanzen aus, die andere beruht auf dem Glauben an die Wirkung. Wegen möglicher Nebenwirkungen der Substanzen sollte dieser Aspekt bei der Entscheidung über den Einsatz der Medikamente berücksichtigt werden, meinen Niroshan Siriwardena von der britischen University of Lincoln und seine Kollegen.
Die Ergebnisse der Forscher beruhen auf der Auswertung von insgesamt 13 Studien zur Wirkung von Schlafmitteln aus der Gruppe der sogenannten Z-Medikamente. Es handelt sich dabei um Arzneistoffe, die alle mit dem Buchstaben Z beginnen, wie Zolpidem, Zopiclon und Zaleplon. Medikamente mit diesen Substanzen gehören momentan zu den am häufigsten eingesetzten verschreibungspflichtigen Schlafmitteln.

Bei den Studien handelte es sich um Untersuchungen, die von Medikamentenherstellern entweder selbst durchgeführt oder von ihnen gesponsert worden waren. Sie hatten untersucht, inwieweit die Medikamente die Einschlafdauer verkürzen. Als Vergleich diente bei diesen Studien stets eine Gruppe von Probanden, die nur ein Scheinmedikament erhalten hatten, ohne zu wissen, dass es sich um ein wirkstofffreies Präparat handelte.

Daran glauben, ist schon halb eingeschlafen

Die Auswertung aller 13 Studien ergab, dass unterm Strich die Einnahme der realen Medikamente die Dauer der Einschlafphase um durchschnittlich 42 Minuten verkürzte. Allerdings schliefen auch die Probanden deutlich früher ein, die nur glaubten, ein Schlafmittel erhalten zu haben: Dieser Placeboeffekt machte durchschnittlich 22 Minuten aus. Die 42 Minuten Einschlafverkürzung durch die echten Medikamente ergeben sich also nur zur Hälfte aus dem Substanzeffekt, die andere erzeugt der Glauben an die Wirkung, sagen die Forscher.

Vor dem Hintergrund, dass man beim Einsatz der Medikamente abwägen muss, ob der Nutzen die negativen Aspekte der Medikamenteneinnahme tatsächlich überwiegt, seien diese Ergebnisse besonders wichtig, betonen Niroshan Siriwardena und seine Kollegen. Neben der möglichen Entwicklung einer Abhängigkeit von Schlafmitteln sind aus früheren Studien auch einige kritische Nebenwirkungen bekannt. Beispielsweise können Gedächtnisverlust und Tagesschläfrigkeit auftreten, und eine erhöhte Neigung zu Stürzen stellt besonders für ältere Patienten eine Gefahr dar.

Alternative Therapieformen seien zur Behandlung von Schlafstörungen deshalb oft die beste Lösung, sagen die Forscher: "Psychologische Behandlungen bei Schlaflosigkeit können genauso effektiv wie Schlaftabletten sein und vor allem haben sie langfristige Vorteile. Also sollten wir mehr Aufmerksamkeit auf die Verbesserung des Zugangs zu diesen Behandlungsmöglichkeiten für Patienten bieten?, meint Siriwardena.
Niroshan Siriwardena (University of Lincoln) et al.: BMJ, doi:10.1136/bmj.e8343

© wissenschaft.de - Martin Vieweg


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