Was würde meine Mutter essen?

Viele Kinder haben sehr eigene Vorstellungen davon, welches Essen sie mögen oder nicht. (Foto: Lise Gagne/iStock)

Wie bringe ich mein Kind dazu, gesünder zu essen? Um diese Frage zu klären, haben US-Forscher sich genauer angeschaut, welche Faktoren die Essensvorlieben von Kindern beeinflussen. Dabei zeigte sich: Neben dem Geschmack und den eigenen Vorlieben, spielt das Wissen um die Präferenzen der Eltern eine große Rolle. Die Kinder wissen sehr genau, welche Lebensmittel ihre Mutter auswählen und ihnen geben würde – und das beeinflusst auch ihre eigene Wahl. Sogar im Gehirn ist dieser Einfluss deutlich zu erkennen.

"Bääh – das mag ich nicht!" Viele Kinder haben sehr eigene Vorstellungen davon, welches Essen sie mögen oder nicht. Leider stehen oft gerade die ungesunden Dinge weit oben auf ihrer Präferenzliste: Süßigkeiten, Salziges oder andere Leckereien gehen immer, Gemüse und Obst dagegen stoßen oft auf Widerstand – aber warum eigentlich? Einer der Gründe sind angeborene Neigungen, die auf die Lebensweise unserer frühen Vorfahren zurückgehen: "Wir besitzen eine instinktive Vorliebe für süße und salzige Aromen", erklären Seung-Lark Lim von der University of Missouri in Kansas City und seine Kollegen. "Kinder mögen daher besonders gerne Lebensmittel, die stark verarbeitet und kalorienreich sind." Aber Kinder sind auch enorm lernfähig. Wie in vielen anderen Verhaltensweisen auch, achten sie sehr genau darauf, was ihre Eltern tun – und was sie essen. Welchen Einfluss dieses "Abgucken" auf die späteren Essenvorlieben eines Kindes hat und wie die Entscheidung für oder gegen ein Lebensmittel im Gehirn des Kindes passiert, haben nun Lim und seine Kollegen erstmals näher untersucht.

Essenswahl im Hirnscanner

An ihrer Studie nahmen 25 Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren teil. Die Forscher zeigten ihren jungen Probanden nacheinander Bilder verschiedener Speisen und Lebensmittel und baten sie, anzugeben, wie lecker sie die Speise finden, wie gesund sie ist und wie sehr sie sie allgemein mögen. Wie erwartet, bevorzugten die Kinder vor allem Süßes und Kalorienhaltiges. Im nächsten Test sollten die kleinen Probanden angeben, wie sehr sie selbst oder aber ihre Mutter dieses Lebensmittel gut finden und auswählen würden. Während dieses Versuchs zeichneten die Forscher die Hirnaktivität der Kinder mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) auf. Dabei zeigte sich: Die Kinder wussten ziemlich genau, was ihre Mütter für sie als Speise auswählen würden – meist die gesunden Lebensmittel. Selbst wenn sie selbst die ungesunden Speisen bevorzugten, war ihnen durchaus klar, was ihre Eltern für gut und richtig halten – und das beeinflusste nicht selten auch ihre Auswahl.

"Das zeigt, dass Kinder verschiedene Mechanismen nutzen, wenn sie überlegen, was sie essen sollen", sagen die Forscher. Neben den eigenen, eher instinktgeleiteten Vorlieben beziehen sie auch die angenommene Präferenz der Eltern mit ein. "Die Kinder nutzen die von ihnen internalisierten Vorlieben der Mutter, um ihre eigene Wahl zu modifizieren, selbst wenn sie eigentlich das gesunde Essen gar nicht so gerne mögen", erklären Lim und seine Kollegen. "Wenn man daher Kinder bittet, zu überlegen, welche Lebensmittel ihre Eltern ihnen lieber geben würden, dann kann das helfen, ihnen gesundes Essen schmackhaft zu machen."

Welche Rolle die elterlichen Vorlieben und Vorgaben bei der Essenswahl der Kinder spielen, zeigte sich auch im Gehirn: Sollte das Kind frei nach Geschmack und Vorlieben wählen, wurde der mittlere präfrontale Cortex aktiv, wurde dagegen die Vorliebe der Mutter ins Spiel gebracht, leuchtete eine Region im linken präfrontalen Cortex auf. Diese Aktivität wirkt hemmend auf das mittlere Areal und damit auf die impulsive, lustgesteuerte Wahl, wie die Forscher erklären. Das interessante daran: Ein ganz ähnliches Muster tritt auf, wenn Erwachsene innerlich abwägen, wie gesund, geschmackvoll und langfristig "vernünftig" eine Speise ist. Bei ihnen jedoch prägen bewusste Überlegungen und Vorwissen diese Kontrolle – ein Mechanismus, der bei Kindern langsam reift und erst bei jungen Erwachsenen voll ausgebildet ist. "Kinder nutzen daher die internalisierten mütterlichen Präferenzen als Ersatz für diese bewusste Entscheidungshilfe, bis ihre eigene Selbstkontrolle ausgereift ist", so die Wissenschaftler. "Damit liefern unsere Ergebnisse wichtige Einblicke darin, wie man eine gesunde Ernährung bei Kindern fördern kann – und unterstreichen die entscheidende Rolle der Eltern."

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