Wechselspiel von Partnerschaft und Selbstwert

Selbstwertgefühl ist ein wichtiger Beziehungsfaktor. (Foto: anyaberkut/iStock)

Wie bewerte ich mich selbst? Das sogenannte Selbstwertgefühl prägt die Persönlichkeit eines Menschen und damit auch seine Beziehungsfähigkeit. Dieser Verknüpfung sind nun Schweizer Psychologen genauer nachgegangen. Dabei wurde deutlich, wie stark das eine das andere beeinflusst: Das Selbstwertgefühl einer Person trägt zum Erfolg und Misserfolg in Partnerschaften bei, während positive und negative Erfahrungen in Beziehungen wiederum das Selbstwertgefühl eines Menschen verändern.

Selbstwertgefühl – was ist das eigentlich? Was umgangssprachlich oft auch als Selbstvertrauen oder Selbstbewusstsein bezeichnet wird, definieren Psychologie als die Bewertung, die man von sich selbst hat. Das kann sich auf verschiedene Bereiche beziehen: die Persönlichkeit, Fähigkeiten oder das Ich-Empfinden. Spezielle psychologische Tests können Aufschluss über den Grad des Selbstbewusstseins von Menschen geben. Das Niveau des Selbstbewusstseins kann dabei unterschiedliche Effekte mit sich bringen: Was Beziehungen betrifft, ist bekannt, dass Personen mit niedrigem Selbstwertgefühl beispielsweise dazu neigen, in kritischer Weise Bestätigung beim Partner zu suchen, oder sich in schwierigen Situationen schnell vom Partner zurückzuziehen. Menschen mit hohem Selbstwertgefühl hingegen haben häufig bessere Fähigkeiten, ihre Partner emotional zu unterstützen und so Beziehungen zu stärken.

Beziehungserfahrungen prägen den Selbstwert

Studien zufolge steigt das Selbstwertgefühl von Menschen typischerweise im jungen und mittleren Erwachsenenalter an, bevor es seinen Höhepunkt etwa bei 50 bis 60 Jahren erreicht. Unklar ist bisher allerdings, welche Umstände dazu führen, dass manche Personen besonders positive Veränderungen beim Selbstwertgefühl erleben, während bei anderen der Entwicklungsverlauf weniger günstig ist. In einer dreijährigen Studie mit über 9000 Personen im Alter von 15 bis 37 Jahren sind Eva Luciano und Ulrich Orth von der Universität Bern nun der Verknüpfung von Partnerschaft und Selbstwertgefühl nachgegangen.

Die wiederholten Befragungen und Testergebnisse des Selbstwertgefühls zeigten grundsätzlich: Studienteilnehmer, die eine neue Partnerschaft begannen, erfuhren einen deutlichen Anstieg im Selbstwertgefühl, wenn die Partnerschaft mindestens ein Jahr lang standhielt. Im Gegensatz dazu veränderte eine kurze Partnerschaft von geringer Beziehungsqualität das Selbstwertgefühl nicht. "Erfreulicherweise führten Trennungen nur zu vorübergehenden Verringerungen im Selbstwertgefühl. Typischerweise hatte es sich bereits ein Jahr nach der Trennung wieder erholt", sagt Luciano.

Selbstwert beeinflusst den Beziehungserfolg

Wie sich in den Ergebnissen widerspiegelte, ist das Selbstwertgefühl jedoch nicht nur eine Folge von Erfahrungen in Partnerschaften, sondern wiederum eine Ursache für den Erfolg oder Misserfolg: Singles, die zu Beginn der Studie ein hohes Selbstwertgefühl besaßen, gingen vergleichsweise häufig eine Partnerschaft ein. Bei Studienteilnehmern, die sich in einer Beziehung befanden, kam es wiederum öfter zu einer Trennung, wenn sie zu Beginn der Studie ein niedriges Selbstwertgefühl hatten.

Die Berichte über die Qualität der Beziehungen zwischen den Partnern verdeutlichten, auf welche Weise das Selbstwertgefühl das Schicksal von Partnerschaften beeinflusst: "Während ein hohes Selbstwertgefühl die Beziehungszufriedenheit fördert und die Häufigkeit und Intensität von Beziehungskonflikten reduziert, führt ein niedriges Selbstwertgefühl zu einer schlechteren Beziehungsqualität und so im Extremfall dazu, dass die Beziehung zerbricht", erklärt Luciano.

Heirat hat keinen Effekt

Im Blickpunkt der Forscher stand außerdem die Frage, welchen Einfluss eine Ehe auf das System hat. Erstaunlicherweise fanden sie keinen Zusammenhang zwischen Heirat und Selbstwertgefühl: Studienteilnehmer, die bereits in einer Partnerschaft waren und heirateten, erlebten keine Zugewinne beim Selbstwertgefühl. Umgekehrt hatte das Selbstwertgefühl auch keinen Einfluss darauf, ob Personen heirateten oder ohne Trauschein mit einem Partner zusammenlebten. Die Forscher vermuten, dass diese Ergebnisse auf die in unserem Kulturkreis verringerte gesellschaftliche Bedeutung der Ehe zurückzuführen sind. "Für das Selbstwertgefühl der heutigen jungen Erwachsenen scheint die Erfahrung des Beginns einer Partnerschaft weitaus wichtiger zu sein als die formale und rechtliche Anerkennung dieser Beziehung durch die Heirat", erklärt Luciano.

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