Konkurrenz belebt Trainingsbereitschaft

Trainingsbereitschaft hat viel mit Psychologie zu tun. (Foto: Leonardo Patrizi/iStock)

Ich sollte mich regelmäßig bewegen! Leider scheitern solche guten Vorsätze oft am inneren Schweinehund: Teilnehmern von Trainingsprogrammen fehlt es an nachhaltiger Motivation für das konsequente Training. Wie kann man sich dieser Neigung am effektivsten entgegenstemmen? Einer Studie zufolge lohnt es sich dazu besonders, Wettbewerbsgefühl im Rahmen von Gesundheitsprogrammen durch soziale Medien zu erzeugen. Angebote zum Erfahrungs-Austausch über Trainingsaktivitäten könnten sich hingegen sogar negativ auswirken.

Infomaterial, Coaching, Gruppengefühl... Um Teilnehmer beim Training zu motivieren, kommen bei Fitnessprogrammen der Universitäten oder von Unternehmen oft eine ganze Reihe von Angeboten und Strategien zum Einsatz. Die Forscher um Damon Centola University of Pennsylvania in Philadelphia haben sich nun mit der Frage beschäftigt, in welche Motivationsstrategie es sich lohnt, am ehesten zu investieren. Sie konzentrierten sich dabei auf die Effekte von Wettbewerb beziehungsweise sozialer Unterstützung aus der Gruppe, der durch soziale Medien wie Online-Chat vermittelt wird.

Verschiedene Sozial-Konzepte im Test

Die Forscher führten ihre Studie an rund 800 Teilnehmern des Gesundheitsprogramms "PennShape" an der University of Pennsylvania durch. Die öffentlich finanzierte Fitness-Initiative bot Studenten wöchentlich Trainingskurse im Universitäts-Fitnesscenter an, sowie Fitness-Coaching und Ernährungsberatung. Begleitet wurde das Projekt durch eine Internetseite mit Informationen und der Möglichkeit zur Interaktion über soziale Medien. Was die Teilnehmer nicht wussten: Die Forscher hatten sie in vier gleichgroße Gruppen aufgeteilt, um zu testen, wie verschiedene Arten von sozialen Kontakten ihre Übungsaktivität beeinflussen.

In das Konzept der "Einzel-Wettbewerb-Gruppe" war die Präsentation individueller Ergebnisse integriert: Anonymisiert war für alle einsehbar, wie oft andere trainierten und welche Leistungen sie zeigten. Für die besonders Erfolgreichen gab es schließlich Preise. Bei der "Team-Wettkampf-Gruppe" war dies ebenso, nur waren die Teilnehmer zu Gruppen zusammengefasst, die untereinander im Wettbewerb standen. Bei der "Team-Support-Gruppe" fehlte der Wettkampf-Aspekt im Konzept: Sie wurden allerdings dazu angeregt, eine Trainings-Gruppe mit Sozialkontakten durch den Erfahrungsaustausch über die sozialen Medien zu bilden. Bei der "Kontroll-Gruppe" gab es schließlich weder einen Anreiz zum Sozialaustausch noch zum Wettbewerb – die Teilnehmer bekamen nur das Angebot zum Training und Informationsmaterial.

Überraschender Negativeffekt

Die Studie erstreckte sich über einen Zeitraum von elf Wochen. Die Trainingshäufigkeit der einzelnen Teilnehmer reichte in dieser Zeit von 0 bis 39 Einheiten. Die Auswertungen der Trainingsaktivitäten innerhalb der jeweils rund 190 köpfigen Gruppen zeigten: Konkurrenz motivierte offenbar am besten. Insgesamt kam die die Team-Wettkampf-Gruppe auf einen Mittelwert von 38,5 Trainingsaktivitäten pro Woche für alle Teilnehmer zusammen. Bei der Einzel-Wettbewerb-Gruppe waren es 35,7. In der Kontrollgruppe fanden im Vergleich dazu durchschnittlich nur 20,3 Trainingsaktivitäten statt. Und nun die große Überraschung: Die Team-Support-Gruppe bildete mit 16,8 Workouts pro Woche das deutliche Schlusslicht. Mit anderen Worten: Der soziale Erfahrungsaustausch über Trainingsaktivitäten hat sich offenbar sogar negativ auf die Trainingsaktivität ausgewirkt.

Die Forscher erklären das Ergebnis folgendermaßen: "Die Gestaltung der sozialen Interaktion als Wettbewerb kann positive soziale Normen für das Training schaffen", sagt Zhang. Die Erfolgreichen stehen dabei im Fokus der Aufmerksamkeit und erhöhen die Latte für die anderen. "Im Gegensatz dazu kann sich der bloße Erfahrungsaustausch in der Gruppe negativ auswirken, weil der Blick auch auf Mitglieder gerichtet wird, die weniger aktiv sind, wodurch sich eine Abwärtsspirale der Teilnahme entwickeln kann", führt Centola weiter aus. Nach dem Motto "Andere sind ja auch faul, warum soll ich dann..." gewinnt die Bequemlichkeit an Einfluss.

Die Forscher kommen zu dem Fazit: Soziale Medien können ein effizientes Werkzeug im Rahmen von Gesundheitsprogrammen sein, weil sie Menschen soziale Einflüsse intensiv vermitteln können. Doch wie die Studie belegt, können besondere Effekte auftreten, die zu beachten sind: "Das Hinzufügen sozialer Unterstützung zu einem Online-Gesundheitsprogramm kann nach hinten losgehen und die Menschen veranlassen, weniger gesunde Verhaltensweisen zu wählen. Wenn das Konzept jedoch den Fokus auf den richtigen Punkt richtet, kann ein positiver Effekt entstehen, legen unserer Ergebnisse nahe", so Centola.

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