Großzügigkeit macht glücklich

Mit anderen zu teilen und großzügig zu sein macht uns tatsächlich glücklicher (Foto: FatCamera/ iStock)

Ob beim Spenden oder bei ehrenamtlichem Engagement: Die meisten Menschen verhalten sich durchaus großzügig. Aber warum eigentlich? Darauf könnten Forscher nun eine ganz pragmatische Antwort gefunden haben: Weil das Geben uns glücklich macht. Ihr Experiment belegt, dass großzügiges Handeln nicht nur das subjektive Glücksempfinden fördert, die enge Verbindung von Glück und Großzügigkeit lässt sich auch im Gehirn nachweisen.

Wir Menschen haben einen ausgeprägten Sinn für Fairness und gerechte Verteilung. Aber genauso typisch für uns und unsere Gesellschaften ist ein gewisses Maß an Großzügigkeit und altruistischem Teilen: Wir spenden Geld für gute Zwecke, opfern Zeit und möglicherweise Geld bei ehrenamtlichem Engagement und kooperieren manchmal selbst dann, wenn wir selbst nur wenig oder gar nicht davon profitieren. Aber was treibt diese Großzügigkeit an? "Dafür wurden schon verschiedenen Motive vorschlagen, darunter der Nutzen für Verwandte, der gute Ruf oder die Hoffnung auf Gegenseitigkeit", erklären Soyoung Park von der Universität Lübeck und ihre Kollegen. "Aber diese können nur begrenzt erklären, warum der Mensch in ganz verschiedenen Situationen immer wieder zur Großzügigkeit neigt." Es gibt aber noch einen weiteren möglichen Grund für unsere Neigung zur Großzügigkeit: Es macht einfach glücklich. "Das warme Gefühl, das wir empfinden, wenn wir etwas für andere tun, könnte großzügiges Verhalten beim Menschen fördern", meinen die Forscher.

Wie Großzügigkeit und Glücksgefühle zusammenhängen – sowohl auf der Ebene des Verhaltens als auch im Gehirn – haben die Wissenschaftler nun in einem Experiment untersucht. Ihren 50 Probanden versprachen sie dafür zunächst, dass sie vier Wochen lang jeweils 25 Schweizer Franken pro Woche erhalten würden. Eine Hälfte der Teilnehmer wurde gebeten, sich mit diesem Geld selbst etwas Gutes zu tun und diese Pläne konkret aufzuschreiben. Sie diente als Kontrollgruppe. Die andere Hälfte der Probanden sollte dieses Geld dagegen für jemand anderen auszugeben - sei es in Form einer Essenseinladung oder für ein Geschenk – und sich schriftlich dazu verpflichten.  Erst nach diesem Vorlauf begann das eigentliche Experiment. In diesem bekamen die Probanden ein Budget von 30 Franken und sollten entscheiden, welchen Anteil eine ihnen bekannte Person davon bekommen sollte. Je nach Versuchsvariante schmälerte dies ihren eigenen Gewinn mehr oder weniger stark. Während dieser Entscheidung zeichneten die Forscher die Gehirnaktivität der Teilnehmer mittels funktioneller Magnetresonanz-Tomografie (fMRI) auf. Außerdem wurden sie vorher und nachher nach dem Grad ihres Glücklichseins gefragt.

Mehr Glücksgefühle bei den Großzügigen

Es zeigte sich: Die Probanden, die sich schon im Vorfeld zu Großzügigkeit verpflichtet hatten, teilten auch im Folgetest bereitwilliger. Noch interessanter aber: Sie fühlten sich auch glücklicher dabei. "Die verstärkte Großzügigkeit ging mit einer Erhöhung des Glücksempfindens einher", berichten Park und ihre Kollegen. Bei den Kontrollprobanden, die im Vorfeld das Geld für sich selbst ausgeben sollten, war dies deutlich weniger der Fall. "Wir stellen fest, dass schon die öffentlich deklarierte Absicht, großzügig zu handeln, die spätere Großzügigkeit und das Glück effizient erhöht", sagen die Forscher. "Angesicht der Tatsache, dass die Teilnehmer zu diesem Zeitpunkt das Geld weder bekommen noch es ausgegeben hatten, ist dies bemerkenswert." Die Höhe der Grosszügigkeit spielte keine Rolle für die Zunahme der Zufriedenheit. "Man braucht nicht gleich aufopfernd selbstlos zu werden, um sich glücklicher zu fühlen. Ein bisschen großzügiger zu werden reicht bereits aus", sagt Koautor Philippe Tobler von der Universität Zürich.

Was aber passierte dabei im Gehirn der Versuchspersonen? Die Auswertung der Hirnscannerdaten ergab auch in der Hirnaktivität deutliche Unterschiede: Bei den großzügigen Probanden feuerten die Neuronen im sogenannten temporoparietale Übergang (TPJ) besonders stark – ein Hirnareal, das mit prosozialem, altruistischen Verhalten in Zusammenhang steht. Gleichzeitig jedoch waren auch Verbindungen dieses Areals zu Zentren im orbitofrontalen Cortex und dem ventralen Striatum aktiver – und dies umso mehr, je glücklicher sich die Teilnehmer durch ihre Großzügigkeit fühlten, wie die Forscher berichten. "Unser Studie liefert damit verhaltenstechnische und neurologische Belege, die den Zusammenhang zwischen Großzügigkeit und Glück unterstützen", konstatieren Park und ihre Kollegen. Demnach könnte dieses unwillkürliche "warme Gefühl" durchaus erklären, warum altruistisches Handeln und die Bereitschaft zum Geben in menschlichen Gesellschaften so ausgeprägt sind. Wann und warum die Großzügigkeit anfing, dieses Gefühl bei unseren Vorfahren auszulösen, wäre nun die nächste interessante Frage.

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