Niederlagen machen schlechten Hunger

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Sportfans erleben emotionale Achterbahnfahrten: Wenn ihre Mannschaft siegt, herrscht Hurra-Stimmung, verliert sie hingegen, ist trübe Laune angesagt. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass sich Ergebnisse von Sportereignissen auf das Leben von Fans deutlich auswirken können. Beispielsweise gibt es einen Zusammenhang zur Häufigkeit von Herzinfarkten, dem Verhalten im Straßenverkehr oder häuslicher Gewalt. Forscher konnten nun zeigen, dass sich auch das Essverhalten von Fans im Schatten des Jubels oder Katzenjammers verändert: Enttäuschte greifen einen Tag nach einem Spiel vermehrt zu Fettigem, Fans im Siegesglück hingegen zu gesünderen Nahrungsmitteln als üblich.

Yann Cornil und Pierre Chandon von der französischen INSEAD Business School in Fontainebleau konnten für ihre Studie auf Daten zu greifen, aus denen hervorgeht, was Menschen in zwei Dutzend US-amerikanischen Städten täglich zu sich nehmen. Einige dieser Städte besitzen ein Team, das an Spielen der National Football League (NFL) teilnimmt. So konnten die Forscher untersuchen, ob sich das Essverhalten der Menschen in diesen Städten an einem Montag verändert hatte, je nachdem ob ihr Team am Sonntag zuvor gewonnen oder verloren hat. „Die Daten versorgten uns auch mit Informationen über das Essverhalten von Menschen, die in Städten leben, die kein NFL-Team besitzen oder mit einer Mannschaft, die nicht an einem bestimmten Tag gespielt hat. So ließen sich die Ergebnisse kontrollieren", erklären Cornil und Chandon.

Die Forscher fanden heraus, dass Menschen in den Städten mit einer Verlierer-Mannschaft deutlich mehr gesättigte Fettsäuren aßen im Vergleich zu ihrem üblichen montaglichen Verbrauch. Menschen in Orten mit einem Gewinner-Team nahmen hingegen weniger ungünstiges Fett im Vergleich zu ihrem normalen Konsum zu sich. „Der schlechte Trend war besonders deutlich, wenn die Mannschaft unerwartet verloren hatte, sehr knapp, oder gegen eine Mannschaft von gleicher Stärke", berichten Cornil und Chandon.

Vermutlich trösten sich die Anhänger der Verlierermannschaft mit dem deftigen Essverhalten. Für die andere Seite könnte der Sieg wie ein Schub für die Selbstkontrolle wirken, was sie beherrschter zugreifen lässt, vermuten die Forscher.

 

Experimente untermauern die statistischen Ergebnisse

 

Um ihre Ergebnisse auch experimentell zu untermauern, führten Cornil und Chandon zusätzlich Tests mit französischen Fußballfans durch. Ein Teil der Probanden sollte schriftlich über eine Niederlage des jeweiligen Lieblingsteams berichten, der andere hingegen über einen Sieg. Anschließend wurde den Teilnehmer eine kleine Auswahl an Snacks geboten: Auf dem Tisch standen eine Schüssel Chips, eine mit Süßigkeiten sowie Tomaten und Trauben. Wie sich die Probanden nun bedienten, bestätigte die Ergebnisse der statistischen Studie: Wer zuvor über den Sieg geschrieben hatte aß bevorzugt die gesunden Tomaten und Trauben, diejenigen, die über die Niederlage berichtet hatten griffen hingegen eher bei den Chips und dem Süßkram zu.

 

Die Forscher geben ernährungsbewussten Sportfans sogar einen Tipp, wie sich das Mampfen im Schatten der Niederlage eindämmen lässt: Nämlich durch positive Selbstbestätigung – das zeigte ein Zusatzversuch bei den Probanden, die über eine Niederlagen berichtet hatten. Wurden sie aufgefordert, anschließend noch aufzuschreiben, was ihnen im Leben wirklich wichtig ist, schwand der Hunger auf Chips und Co.

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