Dumm gelaufen? Nicht meine Schuld!

Haben wir einen Fehler gemacht, suchen wir gerne woanders nach dem Schuldigen (thinkstock)

Wie wir unsere Handlungen wahrnehmen, hängt davon ab, welche Konsequenzen sie haben: Läuft es gut, fühlen wir uns verantwortlich; läuft es schlecht, distanzieren wir uns innerlich. Bisher vermuteten Psychologen, dass sich unser Hirn einfach im Nachhinein eine Version der Vorgänge zurechtlegt, in der uns keine Schuld trifft. Nun haben britische Forscher festgestellt: Das Ergebnis unseres Tuns beeinflusst unmittelbar, wie wir eine Situation erleben. Bei ihrem Experiment veränderte es die Wahrnehmung der Zeitdauer zwischen Handlung und Folge.

Wir kennen das alle: Lief etwas so richtig gut, heimsen wir gern die Lorbeeren ein – selbst, wenn eine gehörige Portion Glück im Spiel war. Ging eine Aktion jedoch trotz bester Absichten gründlich schief, distanzieren wir uns. So war das nicht gedacht! Und überhaupt: Höhere Gewalt! Widrige Umstände! Nicht meine Schuld! Forscher bezeichnen das Gefühl, für das eigene Handeln verantwortlich zu sein, als „Sense of Agency". Und sie haben bereits vor einiger Zeit festgestellt, dass es durch das Ergebnis unseres Handelns entscheidend beeinflusst wird. Offenbar hilft es uns, für positive Ergebnisse mehr Verantwortung zu übernehmen als für negative – sei es, um unser Selbstwertgefühl zu stärken oder um zu verhindern, dass wir uns nach einigen Fehlschlägen gar nicht mehr zu handeln trauen.

Ungeklärt war bisher, ob sich unser Hirn eine neue Version der Ereignisse zurechtlegt, sobald wir das Ergebnis unseres Handelns kennen, oder ob wir die Situation – eventuell in Erwartung eines bestimmten Ausgangs – tatsächlich unterschiedlich wahrnehmen. Michiko Yoshie und Patrick Haggard vom University College London gehen dieser Frage in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Current Biology" auf den Grund.

Verzerrte Wahrnehmung ist keine Entschuldigung

34 Probanden mussten in ihrem Experiment wiederholt auf einen Knopf drücken.  Es folgten entweder positive Geräusche – Lob oder Lachen -, negative Geräusche – Ausrufe der Angst oder des Ekels -, oder neutrale Töne. Im Gegensatz zu früheren Experimenten zum Sense of Agency wurden die Laute nicht willkürlich eingespielt, sondern waren nach Durchläufen geordnet. So konnten die Teilnehmer vorhersehen, ob ihr Knopfdruck eine positive, negative oder neutrale Reaktion erzeugen würde. Die Verzögerung zwischen Knopfdruck und Geräusch betrug immer exakt 250 Millisekunden. Die Probanden sollten diese Zeitspanne einschätzen, indem sie sich merkten, wo der Zeiger einer schnell laufenden Uhr stand als sie drückten beziehungsweise als sie das Geräusch vernahmen.

Wie sich herausstellte, beeinflusste die Art des Geräusches das Zeitgefühl der Versuchsteilnehmer: Waren die Geräusche neutral oder positiv, erschien ihnen die Verzögerung nahezu unmerklich. Reagierten die Stimmen vom Band mit Angst oder Ekel auf den Knopfdruck, kam ihnen die Pause länger vor. Nach Ansicht der Forscher belegt dies, dass wir spätestens beim Wissen um den Ausgang einer Situation diese entsprechend unterschiedlich empfinden. „Dabei handelt es sich nicht bloß um eine nachträgliche Rechtfertigung dazu, wie gut wir uns geschlagen haben: Unser Erlebnis verändert sich, einschließlich grundlegender Aspekte wie dem Zeitempfinden" , sagt Haggard. „Diese Ergebnisse zeigen, dass Menschen wohl tatsächlich weniger Verantwortung für negative Folgen empfinden als für positive."

Offenbar liegt es also in unserer Natur, uns für Fehlschläge nicht verantwortlich zu fühlen. Was sollen wir tun? Wir haben es doch ganz anders erlebt! Doch so einfach macht Haggard es uns nicht. „Die Wahrnehmung unserer Handlungen ist nicht das Gleiche wie die Wahrheit über unsere Handlungen", sagt er. „Wir müssen Verantwortung für das übernehmen, was wir tun – nicht bloß dafür, was wir erleben."

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