Der Wunsch nach Behinderung

Kaum zu glauben: Manche Menschen wünschen sich eine Prothese – obwohl ihre Gliedmaßen gesund sind. Foto: iStock/Thinkstock

"Bitte amputieren Sie mein Bein!" Unter dieser Überschrift berichtet bild der wissenschaft in der aktuellen Ausgabe über ein Phänomen, das auf den ersten Blick bizarr wirkt: die Body Integrity Identity Disorder (BIID). Menschen mit dieser Störung wünschen sich nichts sehnlicher als eine körperliche Behinderung. bdw-Autorin Christine Amrhein wurde durch den Fall des Australiers David Openshaw auf BIID aufmerksam. Der hatte seinem rechten Unterschenkel mit Trockeneis absichtlich so schwere Erfrierungen zugefügt, dass er amputiert werden musste. "Was steckt da dahinter?", fragte sich Amrhein und begann zu recherchieren.

Die Wissenschaftsjournalistin fand heraus, dass es sogar Internetforen gibt, in denen Betroffene ihr Leid klagen – vorwiegend Männer. Sie wären gerne kastriert, blind, taub oder gelähmt. Viele möchten aber auch ein Körperglied loswerden. In diesem Fall spricht man von Xenomelie. Erstaunlich: Ist der Wunsch nach Behinderung – auf welche Weise auch immer – erfüllt, sind BIID- oder Xenomelie-Patienten viel zufriedener und bereuen nicht, ihrem Verlangen nachgegeben zu haben.

Suche nach Ursachen

Inzwischen beschäftigen sich zahlreiche Experten mit BIID und wollen herausfinden, was der Auslöser für den dringenden Wunsch nach Verstümmelung ist. bild der wissenschaft zeigt daher in der Novemberausgabe die verschiedenen Ansätze auf, mit denen Forscher die Ursachen der Störung ergründen und welche Therapien möglich sind. Ist BIID auf Veränderungen im Gehirn zurückzuführen oder auf prägende Erlebnisse in der Kindheit? Steckt gar ein sexuelles Motiv dahinter? Und: bdw wirft eine Frage auf, die das ethische Empfinden von Medizinern auf eine harte Probe stellt: Sollen Ärzte dem Wunsch der BIID-Patienten entsprechen, also quasi legale Amputationen an ihnen vornehmen? Lesen Sie dazu im aktuellen Heft von der bild der wissenschaft einen spannenden Artikel, der über einen Aspekt der Psychologie informiert, der bisher in der Öffentlichkeit noch viel zu wenig Beachtung gefunden hat.

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