Die Erwartung ist unangenehmer als der Schmerz selbst

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Vorfreude ist die schönste Freude, heißt es – etwas Ähnliches gilt aber offenbar auch für den umgekehrten Fall: Die Erwartung von etwas Unangenehmen ist das Unangenehmste. Das legen die Ergebnisse „schockierender" Experimente nahe, die britische Forscher mit Freiwilligen durchgeführt haben. Die Probanden bevorzugten es, unangenehme Elektroschocks unmittelbar zu ertragen, als auf die Prozedur warten zu müssen, obwohl die sofortigen Schmerzen stärker waren als die aufgeschobenen.

 

Was Freiwillige nicht alles im Dienste der Wissenschaft über sich ergehen lassen. Den Forschern um Giles Story vom Imperial College London ist es gelungen, 35 Probanden für Experimente zu gewinnen, bei denen die Teilnehmer unangenehme Erfahrungen erwarteten: Die Wissenschaftler planten nämlich, sie mit Elektroschocks zu traktieren, um dem menschlichen Entscheidungsverhalten bezüglich Schmerz auf die Spur zu kommen.

 

Immerhin bekamen die Probanden bei den Experimenten eine Wahlmöglichkeit, wann und wie stark sie die Schmerzen ertragen mussten. Doch auch dieser Aspekt war mit einer fiesen Note versehen: Sie wurden vor die Entscheidung gestellt, sofort eine Abfolge von Elektroschocks zu erhalten oder aber erst in 15 Minuten. Der sofortige Schmerz würde allerdings etwas stärker sein als der Aufgeschobene. Beide Entscheidungen hatten also Nachteile: Entweder mussten die Probanden gleich einen relativ starken Schmerz ertragen, oder 15 Minuten lang auf „glühenden Kohlen sitzen", um dafür aber einen schwächeren Schmerz zu spüren.

 

Wir wollen nicht auf glühenden Kohlen sitzen!

 

Die Auswertungen der Forscher ergaben: Die Mehrheit der Teilnehmer entschied sich gegen das Warten, obwohl das mehr Schmerz bedeutete. Story und seine Kollegen interpretieren dies so, dass die unangenehme Empfindung durch die Erwartung letztlich „schmerzvoller" ist als der Schmerz selbst. Ihnen zufolge deckt sich dieses Ergebnis mit Berichten von Personen, die häufig unter Schmerzen leiden. Sie beschreiben oft, dass die Erwartung zukünftiger Schmerzattacken das Schlimmste an ihrer ganzen Situation sei.

 

Die Ergebnisse könnten auch ein wichtiger Hinweis für die Praxis sein, sagen die Wissenschaftler. Möglicherweise sei es vorteilhaft, schmerzhafte Untersuchungen oder Behandlungen möglichst nicht bereits ewig lange vorher anzukündigen. Es seien aber nun weitere Studien nötig, um die Mechanismen der „Vor-Furcht" besser zu untersuchen, sagen Story und seine Kollegen.

 

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