Sag ich nicht!!

Bloß schüchtern - oder in der Sprachentwicklung zurück? (thinkstock)

Manche Kleinkinder brabbeln von morgens bis abends, andere kriegen die Milchzähne nicht auseinander. Einige Forscher vermuteten, dass eingeschränkte Sprachfähigkeiten der Grund für ihre Schüchternheit sind. Eine umfangreiche US-Studie zeigt nun: Zurückhaltende Kinder verstehen Sprache genauso gut wie ihre Altersgenossen. Nur mit dem Reden tun sie sich schwerer.

Es gibt viele Theorien dazu, wie Verhaltenshemmungen – sprich: Schüchternheit und Ängstlichkeit –die sprachlichen Fähigkeiten von Kleinkindern beeinflusst. Verläuft ihre Entwicklung langsamer, weil sie gegenüber anderen Menschen zurückhaltender sind und deshalb wenig Übung im Quasseln haben? Verstehen sie alles, sind aber zu schüchtern, ihr Wissen anzuwenden? Ist der Mangel an verbalen Fähigkeiten gar der Grund für ihre Zurückhaltung? Oder sind besonders kontaktfreudige Kleinkinder ihrem Alter in Sachen Sprache einfach voraus?

Ashley Smith Watts von der University of Colorado in Boulder und ihre Kollegen gingen diesen Fragen auf den Grund. Sie untersuchten 408 Zwillingspärchen – 816 Kinder – im Alter von 14, 20 und 24 Monaten. Diese Altersspanne ist für die sprachliche Entwicklung von besonders großer Bedeutung. Bei jeder der drei Untersuchungen beurteilten die Forscher, wie ängstlich und schüchtern die Kinder sich verhielten, und baten außerdem die Eltern um eine Einschätzung.

Lieber in die Krabbelgruppe als zum Logopäden

Anschließend forderten die Forscher die Kleinen auf, Laute und Wörter nachzuahmen oder Fragen zu beantworten – so konnten sie feststellen, wie gut es mit dem Sprechen klappte. Außerdem stellten sie den Kindern Aufgaben, etwa: „Bring mir den Becher und den Ball". So ermittelten die Wissenschaftler, wie gut ihre kleinen Probanden Sprache verstanden. Die Ergebnisse veröffentlichten sie in der aktuellen Ausgabe von „Child Development".

Die erste Erkenntnis: Mädchen sind zurückhaltender, können aber besser mit Sprache. Die zweite Erkenntnis: Die schüchternen Kinder verstanden im Versuch genauso viel wie ihre kontaktfreudigeren Altersgenossen. Sie antworteten nur nicht so gern. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Verhaltenshemmungen wie Schüchternheit nicht den Spracherwerb als solches behindern, sondern sich stattdessen speziell darauf auswirken, wie sich Kleinkinder mit Worten ausdrücken", sagt Smith Watts. Diese Theorie trägt den passenden Spitznamen: „Ich weiß es, aber ich sag es nicht".

Für Eltern, die sich um ihren wortkargen Nachwuchs sorgen, bedeutet das: Ein Besuch beim Logopäden ist vielleicht gar nicht nötig. „Schüchterne Kinder könnten von Interventionen profitieren, die Selbstbewusstsein, soziale Kompetenz und Autonomie fördern", sagt Smith Watts. Dazu zählen auch alltägliche Dinge wie Verabredungen mit Alternsgenossen. Ist die Angst vor dem Gegenüber erst verflogen, kommen die Worte von allein.

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