Psycho-Probleme schlimmer als Rauchen

Credit: Thinkstock

Rauchen verkürzt die Lebenserwartung, das hat sich herumgesprochen. Eine breite öffentliche Diskussion und Gesundheitskampagnen betonen schon lange das Gesundheitsrisiko – mit Erfolg. Genau das wünschen sich britische Forscher nun auch im Fall psychischer Störungen. Viele reduzieren nämlich die Lebenserwartung sogar noch mehr als das Rauchen, ergab ihre Studie. Mehr öffentliches Bewusstsein über diesen Zusammenhang könnte das Risiko für die Betroffenen eindämmen, sind sie überzeugt.

Seena Fazel von der Oxford University und seine Kollegen haben für die Studie systematisch frühere Untersuchungen ausgewertet, die Daten über Sterblichkeitsraten im Zusammenhang mit psychischen Problematiken erfasst haben. Darunter waren sowohl mentale Störungen als auch Sucht-Erkrankungen: von Schizophrenie und Depressionen, über Autismus und Demenz bis hin zu Magersucht und Alkoholismus. Unterm Strich umfassten die Datenanalysen 1,7 Millionen Menschen und 250.000 Todesfälle. Die Ergebnisse ihrer Auswertungen setzten die Forscher den aktuellen Statistiken zum Zigarettenkonsum gegenüber: Raucher bezahlen demnach im Durchschnitt mit acht bis zehn Lebensjahren für ihr Laster.

Die Datenauswertungen der Forscher ergaben zu den verschiedenen psychischen Störungen und Sucht-Erkrankungen sehr unterschiedliche Auswirkungen auf die Lebenserwartung. Doch negativ scheinen sich alle auszuwirken und einige sind offenbar noch deutlich ungünstiger einzustufen als das Rauchen. Abhängig vom Schweregrad liegt die durchschnittliche Reduktion der Lebensdauer bei Schizophrenie beispielsweise bei 10 bis 20 Jahren, bei Depressionen 7 bis 11 und 9 bis 24 Jahren bei Sucht-Erkrankungen. „Wir haben festgestellt, dass viele psychisch bedingte Erkrankungen mit einem Verlust an Lebenserwartung einhergehen, die der von einem täglichen Konsum von 20 Zigaretten entspricht", resümiert Fazel.

Ein multikausales Problem

Den Wissenschaftlern zufolge steckt hinter dem Zusammenhang eine Mischung mehrerer ungünstiger Faktoren, die mit psychisch bedingten Problematiken einhergehen. Viele Betroffene neigen zu riskanteren Verhaltensweisen als die Durchschnittsbevölkerung. Auch die erhöhten Suizid-Raten machen sich natürlich in den Statistiken bemerkbar. Die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen sei ebenfalls ein Problem, sagen die Forscher. Sie hindert manche Betroffene, Hilfe zu suchen, beziehungsweise sie werden von Ärzten nicht ernst genug genommen.

Außerdem wirken sich mentale Störungen auch ungünstig auf das Risiko aus, körperliche Erkrankungen zu entwickeln: Unter anderem können Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes die Folge sein. Bei entsprechenden Anzeichen neigen Menschen mit psychischen Problemen dann auch noch dazu, spät oder gar nicht medizinische Hilfe aufzusuchen. „Forscher, Hilfseinrichtungen und Regierungen sollten psychisch bedingten Störungen eine deutlich höheren Stellenwert beimessen", sagt Fazel. Durch politischen Willen und Kampagnen sind die Sterberaten durch Rauchen bereits zurückgegangen. Etwas Vergleichbares brauchen wir nun auch im Bereich der psychisch bedingten Problematiken", meint der Wissenschaftler.

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